Gespräche Mythologie

Abwehrzauber

Abwehrzauber – seit Jahrtausenden ist er fester Bestandteil in allen Kulturen und Völkern. Selbst in unserer technisierten Zeit ist apotropäischer Zauber gegenwärtig. Wie Abwehrzauber wirkt und wo er – auch heute noch – zur Anwendung kommt, erklärt Siegfried Grabowski in diesem Gespräch.

 


Gespräch mit Siegfried Grabowski im Video (die weniger gute Tonqualität bitten wir zu entschuldigen).

 

Sven Henkler: Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, ein Buch zu dem Thema „Abwehrzauber“ zu schreiben?

Siegfried Grabowski: Ich habe als Rutengänger viele Wallfahrtsorte und andere alte Kultstätten untersucht, und ich habe mich mit altem Brauchtum beschäftigt. Jeder „Spezialist“ sieht die Umwelt ja durch seine eigene Brille. So habe ich mich gefragt: Was passiert eigentlich bei Kulthandlungen, zum Beispiel in der Kirche? Warum hat sich vieles altes Brauchtum bis heute erhalten? Die Leute schwören darauf! Ist das nur Folklore, oder steckt etwas dahinter? Und dann habe ich festgestellt, dass bei den abwehrenden Maßnahmen tatsächlich Energien frei werden, die in der Lage sind, zum Beispiel einen heiligen Raum vor energetischen Fremdeinwirkungen zu schützen. Sie können natürlich auch sagen: „Der Abwehrzauber schützt vor bösen Geistern.“ Und wenn Sie die „bösen Geister“ mit belastenden Energien gleichsetzen, dann haben Sie das Grundprinzip des Abwehrzaubers schon voll erfasst.

Sven Henkler: Im Grunde ist dies ja dann kein Zauber im herkömmlichen Sinne beziehungsweise im Wortsinn, kein Zauber der einen anderen Zauber abwehrt. Es ist im Grunde Energiearbeit, oder nicht?

Siegfried Grabowski: Es ist ganz sicherlich Energiearbeit. Man muss nur wissen, was zu machen ist, man muss die Energien und ihre Wirkungen kennen, und man sollte über gewisse Fähigkeiten verfügen. Wer die Hintergründe nicht kennt, für den ist das natürlich Zauberei.

Sven Henkler: Können Sie ein Beispiel geben, wo Abwehrzauber im privaten Bereich eingesetzt wird?

Siegfried Grabowski: Denken Sie da mal an die Traumfänger, die gern über Kinderbetten gehängt werden; sie sollen eine Belastung durch böse Träume verhindern. Beim Träumen werden ja energetische Potentiale freigesetzt, selbstgeschaffene geistige Schemen, die auf den Schlafenden zurückwirken und zum Beispiel Alpträume verursachen. Diese Schemen werden tatsächlich vom Traumfänger festgehalten und sind in ihm dann auch nachweisbar. Aber das sind in der Regel keine guten Energien. Die Traumfänger laden sich mit der Zeit auf, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden und wirken dann eher belastend auf den Schläfer, was ja gerade verhindert werden soll. – Ich habe viele solcher Traumfänger untersucht und mit wenigen Ausnahmen in ihnen starke negative Belastungen gefunden. Das sind Energien, die mit Magie und Zauberei zu tun haben, aber auch mit Dämonen.

Sven Henkler: Wie kann man denn so einen Traumfänger reinigen?

Siegfried Grabowski: Man hängt ihn einfach eine Weile in die Sonne.

Sven Henkler: Und was geschieht da?

Siegfried Grabowski: Die Sonne hat ein starkes Strahlungsfeld auf vielen Wellenlängen und ist deshalb in der Lage, strukturierte Energieformen auszulöschen. Einen Datenträger können Sie mit Hochfrequenzstrahlung löschen, da reicht die Sonne nicht. Aber der Datenträger hat dann die belastenden Energien. Die Sonne löscht nicht nur, sie versieht das Objekt gleichzeitig mit positiven Energien. So gibt es „Sonnenheilmittel“, das sind zum Beispiel Homöopathika oder Phytotherapeutika, die im Mittelmeerraum tagelang besonnt werden. Die sollen dann über eine wesentlich gesteigerte Heilwirkung verfügen. Es ist tatsächlich so, dass die Sonne ein Objekt reinigt und gleichzeitig mit positiven Energien aufzuladen vermag. Deshalb hängt man zum Beispiel auch seine Bettwäsche in die Sonne.

Sven Henkler: Können Sie kurz beschreiben, wie man sich die Wirkungsweise eines Abwehrzaubers vorstellen kann?

Siegfried Grabowski: Es geht ja hier darum, eine als schädigend oder als belastend empfundene Energie abzuwehren. Das kann eine Strahlungsenergie sein, aber auch eine mentale Kraft. Dieser Kraft muss eine zweite Kraft entgegengesetzt werden. Je nach Art des Abwehrzaubers kann nun die belastende Kraft blockiert, ausgelöscht oder umgewandelt werden. In jedem Fall handelt es sich also um eine Wechselwirkung zwischen zwei Kräften.

Sven Henkler: Können Sie Beispiele für die unterschiedlichen Wirkungsweisen von abwehrenden Objekten geben?

Siegfried Grabowski: Wenn ich zum Beispiel außen an den Kirchenwänden oder im Eingangsbereich an flankierenden Säulen solche merkwürdigen Köpfe eindecke, dann untersuche ich, welche Energien die abstrahlen; das hat meist mit Magie und Zauberei zu tun. Das sind aber positive Abstrahlungen. Diese Energien sind so stark, dass sie einen belastenden Zauber, der von außen kommt, einfach nicht durchlassen. So schützen diese Köpfe den inneren Bereich zum Beispiel einer Kirche. Wenn die Energien der Köpfe mit vergleichbaren (aber negativen) von außen kommenden Energien zusammentreffen, erfolgt über Resonanzeffekte eine regelrechte Auslöschung der belastenden Wellenlängen.
Wenn ich aber zum Beispiel eine gut geweihte Heiligenfigur im oder über dem Eingangsbereich positioniere, wie das vielfach noch heute bei Wohnhäusern gemacht wird, dann ist das eine Abwehr, eine Blockade, die negativen Energien werden einfach nicht eingelassen; es sei denn, ein Mensch trägt sie mit sich hinein.
Belastende Energien können sich aber auch im Innern von Kirchenräumen finden. Hier kann man dann durch Aufstellen von geweihten Figuren, durch Bilder oder durch strukturierende Bemeißelungen von zum Beispiel Säulenkapitellen eine Umwandlung der Energien erreichen. Sie sind dann im Prinzip noch vorhanden, haben aber gewissermaßen ein anderes Vorzeichen und wirken nicht mehr belastend. Natürlich gibt es auch Objekte, die mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen.

Sven Henkler: In diesen Bereich fällt dann ja auch die Wirkweise von Symbolen. Wie wirken diese?

Siegfried Grabowski: Es gibt unterschiedliche Arten von Symbolen und unterschiedliche Wirkungsweisen. Symbole wirken zunächst wie eine physikalische Antenne, wie ein elektronischer Schaltkreis. Diese Wirkung ist immer nachweisbar. Als Beispiel möchte ich da einfache Runensymbole nennen.
Dann gibt es Symbole, die mit kosmischen Ordnungsstrukturen in Resonanz gehen, zum Beispiel das Pentagramm oder Hexagramm. Die wirken viel stärker, weil sie von höheren Kräften gespeist werden.
Und es gibt Symbole, die für außerkörperliche Wesenheiten stehen. Die wirken am stärksten, aber hier muss ganz bewusst eine Verbindung hergestellt werden.
Es kommt bei allen Arten von Symbolen allerdings noch ein wichtiger Effekt hinzu: Jedes Symbol ist mental in seiner Wirkung beeinflussbar. Ein einfacher handgeschriebener Text zum Beispiel kann eine gewaltige Wirkung aufweisen, wenn er emotional belegt ist. Durch die Art der Intention, mit der ein Symbol verwendet wird, kann also seine Wirkung in gewisser Weise verändert werden.

Sven Henkler: Amulette, Talismane (in Form von Kettenanhängern, Armbändern usw.) bekommt man heute überall zu kaufen, in Souvenirgeschäften oder Esoterikläden, oder man lässt sich Symbole tätowieren, ohne zu wissen, welche Bedeutung und Wirkung sie haben. Ist dies nicht zum einen gefährlich und zum anderen: fehlt diesen Devotionalien nicht die energetische Kraft, um Wirken zu können?

Siegfried Grabowski: Viele Objekte dieser Art sind energetisch sehr schlecht, sie wirken eher belastend. Es ist erforderlich, jedes einzelne Stück zu überprüfen. Bei Objekten aus dem kirchlichen Rahmen habe ich sehr gute Stücke gefunden. Die werden nämlich oft in Handarbeit von Personen hergestellt, die noch etwas davon verstehen, sie werden geweiht oder sie werden an heiligen Objekten berührt. Industriell hergestellten Objekten fehlt meist die Kraft. Die Eigenschaften haben aber auch mit der Art der Materialien selbst zu tun.
Von auftätowierten Symbolen kann ich nur dringend abraten, auch wenn ihnen positive Effekte nachgesagt werden. Sie verändern das Aurafeld des Menschen dauerhaft und beeinflussen damit die individuelle Entwicklung.

Sven Henkler: Sie haben hier von sehr realen, nachweisbaren Energien gesprochen. Wie können diese nachgewiesen werden? Und wie verhält es sich mit geistigen Energien, die zum Beispiel von Kirchenbesuchern mit in den Raum gebracht werden?

Siegfried Grabowski: Ich verwende zum Nachweis das patentierte System der Lecherantenne, das ist sozusagen eine Wünschelrute, die im Bereich von Mikrowellen, also im Zentimeter- bis Dezimeterwellen millimetergenau kalibriert werden kann. Damit können definierte Wellenlängen aber auch unterschiedliche Energieformen selektiv erfasst werden. Und mit speziellen Techniken können in diesem Zusammenhang auch geistige Energien erfasst und bewertet werden.
Ich habe da ein interessantes Beispiel: In Wallfahrtskirchen findet man oft sehr alte, aber auch neuere Kerzen, die von Wallfahrern zum Teil auf beschwerlichen Wegen und unter Mühen von zum Teil tagelangen Wanderungen in die Kirche gebracht wurden. Wenn ich sehr alte Kerzen untersuche, so finde ich darin meistens lebenspositive geistige Energien. In neueren Kerzen dieser Art fand ich häufiger belastende Energien, die nichts mit den unterschiedlichen Kerzenmaterialien zu tun haben konnten. Vielleicht wurde das Tragen dieser Kerzen als Belastung empfunden, oder es mangelte an der erforderlichen Andacht. Das hat sich dann in den Kerzen manifestiert.
Solche Energien kann man nicht abwehren, man kann sie nur in gewissen Schranken halten oder bewusst löschen. Die sind ja an ein Objekt gebunden. Abwehr beruht immer auf einer Wechselwirkung von Kräften. Wo viele Menschen sind, kann sich leicht ein so hohes negatives Potential ansammeln, dass selbst die geweihten Objekte in einer Kirche dieses nicht kompensieren können.
Oder ein anderes Beispiel: In den meisten Kirchen befindet sich ein Kerzenhalter für Teelichter oder kleinere Kerzen. Die werden in den meisten Fällen angezündet, um für etwas zu bitten oder Belastungen abzugeben. Feuer bringt normalerweise gute Energien in einen Raum, vermag aber nicht unbedingt auch geistige Energien zu löschen oder umzuwandeln. Wenn jemand nun seine Kerze an dem Licht eines Vorgängers anzündet, der seine Belastungen (durchaus auch unbewusst) mit in die Kerze gegeben hat, dann kann es ihm danach sehr schlecht gehen. Ich habe das selbst bei Teilnehmern meiner Seminare erlebt. Es ist also besser, seine Kerze mit einem frischen Streichholz anzuzünden, um solche Übertragungen zu vermeiden.

Sven Henkler: Bringen denn die Menschen so viele negative Energien mit sich?

Siegfried Grabowski: Es kommt ganz auf die Umstände an. Manche heilige Räume sind so instabil, dass selbst eine Person mit profanen Gedanken das positive Kraftfeld zerstören kann. Ich habe so etwas selbst erlebt. Das war bei einer Wanderung mit einem Freund: Wir bewegten uns auf eine Kapelle zu, die in einer Mulde stand, und empfanden beide unabhängig voneinander die Grenze zu diesem heiligen Raum sehr intensiv. Das war so stark, dass mir die Tränen kamen. Das blieb auch während unseres Aufenthaltes lange so. Dann kamen zwei Personen über den Rand der Mulde, die sich unterhielten, wobei ihre Gedanken wohl mit profanen Themen beschäftigt waren. Damit brach die Energie schlagartig zusammen.
Es gibt aber auch positive Beispiele: Wenn zum Beispiel viele Menschen in einer Kirche gemeinsam beten und singen, also geistig in gleicher Weise ausgerichtet sind, dann kann die heilige Atmosphäre im Raum so stark werden, dass die Besucher das körperlich spüren. In diesem Fall wird es keiner negativen geistigen Kraft gelingen, hier einzudringen. Auch das ist Abwehrzauber.

Sven Henkler: Sie sprechen in Ihrem Buch auch das Thema Wetterzauber an. Ist es denn tatsächlich möglich, über geistige Kräfte das Wettergeschehen zu beeinflussen?

Siegfried Grabowski: In gewissem Maße ist das sehr wohl möglich. Der Kundige kann mit seinen mentalen Kräften eine Energiesäule aufbauen, die bis in die Wolken reicht. Bei dünner Wolkenschicht, und wenn die Wolken noch in Bewegung sind, kann man auf diese Weise sehr wohl einen sonnigen Bereich inmitten von Regenzonen schaffen. Das geht aber nur zeitlich begrenzt.

Sven Henkler: Das ist ja unvorstellbar!?

Siegfried Grabowski: Ist es eigentlich nicht. Die Energien, die das Wetter und andere Ereignisse in der Atmosphäre formen, sind von der gleichen Art wie auch unsere geistigen Kräfte. Da kann schon eines das andere beeinflussen. Ich bin sogar der Meinung, dass viele Ereignisse in unserer Umwelt hauptsächlich auf die Unzufriedenheiten der Menschen zurückzuführen sind. Aggressionen sind stärkste geistige Kräfte. Auch das ist eine Art von Zauberei.
Und denken Sie einmal an die Wetterglocken, die früher beim Herannahen eines Unwetters geläutet wurden. In Kirchen finden sich davon nur noch wenige, aber in Museen kann man sich die ansehen und untersuchen. Diese Glocken weisen spezielle Weihe-Energien auf, die in Resonanz zu den Energien der Wetterfronten gehen und diese abwehren. Und an einigen Stellen gibt es noch Wetterkreuze in der Landschaft, die ebenso wirken. Die ortsansässigen Bewohner werden die Wirkung gerne bestätigen.

Sven Henkler: Und noch eine letzte Frage: Sie Beziehen auch das Brauchtum im Zusammenhang mit Sterbevorgängen in Ihre Arbeit mit ein. Was hat das mit Abwehrzauber zu tun?

Siegfried Grabowski: Da gibt es ganz konkrete Fälle, in denen eben erst Verstorbene den Lebenden erscheinen. Das hat man in unserem Kulturkreis nicht so gerne. Das ängstigt die Leute. Die Seelen Abgeschiedener bleiben in der Regel noch eine Weile an die irdische Materie gebunden. Das will man vermeiden. Das ist die Aufgabe der Sterbebegleitung, und dagegen richtet sich der Abwehrzauber. In ostasiatischen Kulturkreisen geht man anders damit um. Hier versucht man, die Seelen auf der Erde zu halten, damit sie den überlebenden Angehörigen Nutzen bringen können.

Sven Henkler: Kann ich das so verstehen, dass Verstorbene den Lebenden in irgendeiner Weise helfen können?

Siegfried Grabowski: Ja, das ist so richtig. Der Verstorbene bewegt sich in einem anderen Informationsraum, der nicht durch die Sinnesorgane begrenzt ist, wie es bei den Lebenden der Fall ist. Er kann deshalb warnen, Vorhersagen machen, kann unsere Gedanken steuern usw. Das muss aber nicht immer positiv sein. Denken Sie da einmal an einen Getöteten. Der will nichts anderes, als Rache nehmen. Da braucht man schon einen starken Abwehrzauber. Wer mit starken negativen Emotionen beladen in das Jenseits übertritt, behält damit eine hohe Affinität zu irdischen Energien, und es kann sehr lange dauern, bis diese Energien sich aufgelöst haben.

Literaturhinweis:

Siegfried Grabowski: Abwehrzauber. Kulthandlungen – Brauchtum – Aberglaube
Broschur: ISBN 978-3-934291-85-0
Preis: 19,80 Euro (D)

Verlag Zeitenwende

 

 

 

Sven Henkler

Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung.
Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de):
- Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen)
- Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010)
- Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen)
- Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)
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