Bewusstsein Transformation

Alchemie und spirituelle Goldmacherei

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Alchemie und Heilkunde haben seit alters her miteinander zu tun. Oft hören wir von geheimnisvollen Tinkturen und Essenzen, deren Anwendung vollständige Genesung und ewiges Leben verheißen. Doch wir wissen, dass dies ein Trugschluss ist, ebenso wie das Streben, Gold, stoffliches Gold zu tingieren. Viel Elend hat sie gebracht, die Suche nach dem Goldmachen. Genügend Scharlatane haben die Menschen diesbezüglich an der Nase herumgeführt; Fürsten und Könige vor allem – denn diese erhofften sich Gold für ihren aufwendigen Lebensstil oder ihre Kriegskasse. Meist sind die falschen und ruhmsüchtigen Laboranten dann selber am Galgen oder in feuchten Verließen umgekommen.

Auch heute wird den Menschen so etwas wie ewige Gesundheit, Schönheit und Glück versprochen – von der Pharma- und Kosmetikindustrie beispielsweise. Und wie oft fällt die leichtgläubige Menge Tag für Tag auf die Tricks der Werbung herein? Über kurz oder lang bekommen wir die Resultate unserer Blauäugigkeit präsentiert – und wir dürfen dann daraus lernen…

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Doch die Alchemie ermöglicht es tatsächlich, Gold herzustellen, allerdings nicht das Gold in der Materie, sondern das der Seelen-Vollkommenheit. Auf allen Stufen dieses alchemischen Prozesses gilt die Grundformel: solve et coagula, was bedeutet: löse und füge aufs Neue zusammen.

Der Mensch selbst, jeder, wir alle, du und ich, ist berufen, Alchemist zu werden – wenn er dies wollen.

Der Beginn eines solchen alchemischen Prozesses liegt in der Sehnsucht nach Lebenserfüllung, nach Licht und Liebe, nach Gerechtigkeit und Vollkommenheit. Der nächste Schritt heißt: Mensch, erkenne dich selbst. Und damit ist nicht nur die bekannte psychologische „horizontale“ Selbsterkenntnis gemeint, sondern vor allem das philosophische Betrachten: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Weshalb existieren wir auf diesem Planeten und atmen anderen Kreaturen die Luft weg? Dann geht es darum – das ist der nächste, der dritte Schritt –, unsere Kenntnisse im Leben zu verwirklichen. Schöne Worte und Einsichten müssen Wirklichkeit werden, andernfalls sie zu einem Ballast werden, an dem wir uns ein weiteres Mal in den Tod futtern.

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Die erste Liebe suchen, finden, und verwirklichen – das ist das Wesen wahrer Alchemie. Da haben all unsere Kompliziertheiten, Eitelkeiten, die Wolken der Vergangenheit – unsere alten Ideologien also – keinen Platz; sie können sich auflösen, dürfen endlich sterben im Feuer und im Licht des Einen. Und wie von selbst wird in unserem Inneren die Sonne aufgehen.

Nun, das klingt ja alles recht einfach, doch wie ist das praktisch? Im Prinzip, also von Anfang an gedacht, ist es wirklich und wahrhaftig ein-fach. – Doch im alltäglichen Leben ist es nicht so, da wir nicht einfach sind. Die Schatten unserer Vergangenheit wollen unser Wesen so schnell nicht loslassen, denn unser Erwachen in ein neues Leben bedeutet deren Tod. Und nur wenn unser Herz verschlossen bleibt, wird das Licht in uns, das nie streitet, das sich nie behaupten will, nicht wirken können; wir bleiben unglücklich, ausgebrannt, krank – tote Hüllen, die irgendwann einmal vom gnädigen Schicksal (Schicksal, wörtlich: das geschickte Heil; lateinisch von salus: das Heil) entsorgt werden müssen.

In diesem Stadium sind die befreienden Impulse der großen Alchemie noch Theorie. Unser Herz, unsere Seele, unser Mikrokosmos müssen weiter auf eine Persönlichkeit warten, die gereift und mutiger die Wege des Lebens erkennt und bereit ist, die Trugbilder der Gewohnheit hinter sich zu lassen.

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Wir können den Weg der spirituellen Goldmacherei so zusammenfassen:

  • Konzentration auf die Resultate des ersten alchemischen Prozesses, der Selbsterkenntnis (Purifikation, Reinigung); wir sind zweifache Wesen: sterblich das Biologische, unsterblich das Göttliche.
  • Kenntnis darüber erlangen, dass alles, was uns geschieht, was auf uns zukommt, unser Spiegel sein will. Dadurch lernen wir zu unterscheiden, was brauchbar, was Werk der Liebe und was untauglich ist.
  • Durch dynamische Mitarbeit im Erledigen unserer Aufträge im Hier und Heute werden wir an Licht und Seelenkraft zunehmen, wodurch die ewigen WerteFreiheit, Einheit, Friede – in uns lebendig werden. Dadurch, dass wir dieses Gold der ewigen Werte und der Autonomie an alle Menschen, die es wollen, weiterreichen, wird unser eigener Prozess noch lebendiger – und unser innerer Mensch, der Lichtmensch, wächst in seinem Lichtkörper, der den Tod nicht schmecken wird, auch nicht die Verwesung – wohl aber bewusst die Verbundenheit mit jenen, die aus den Werten der Ewigkeit leben.
  • Das Nichts, die große Leere, das TAO, werden wir als das eine, volle, schattenlose Leben erfahren, in dem nichts, wirklich gar nichts Sterblich-Liebloses mehr sein kann.

Klaus Bielau

Dr. Klaus Bielau, Jahrgang 1955, absolvierte von 1975 bis 1977 ein Regiestudium an der Kunsthochschule Graz, danach Theaterarbeit bis 1988. 1980 Begegnung mit der Homöopathie, begann deswegen mit dem Medizinstudium, Promotion 1986. Seit 1990 führt er eine rein homöopathisch ausgerichtete Praxis; war Vortragender und Lektor für Homöopathie an der Uni in Graz sowie an den Paracelsus-Schulen in Graz und Wien.
Er ist Kolumnist und Redakteur der Zeitschrift Pulsar; er verfasst Bücher, Essays und Erzählungen über Heilkunde, Paracelsus und die Wege des Menschen zur Autonomie. Lebt mit seiner Familie in Graz.

Buchveröffentlichung beim Verlag Zeitenwende: Wendezeit der Medizin, Band 1: Die Erneuerung der Heilkunst (2008); Wendezeit der Medizin, Band 2: Zur Kunst der Selbstheilung (2010); Wendezeit der Medizin, Band 3: Zur Kunst des Einfachen (2013)

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