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Du hast täglich die Wahl #2: Der Ruf der Umwelt nach Selbstverantwortung

Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel über eine amerikanische Studie, die feststellte, dass Hunde und Katzen in den USA für die gleiche Menge CO2 verantwortlich sind wie der Ausstoß von 13 Millionen Autos – oder konkret in Zahlen: 64 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Natürlich tobten sich im Kommentarfeld unter dem Onlineartikel die Katzen- und Hundeliebhaber aus, was das denn nun wieder für ein Schwachsinn sei und dass Haustiere doch ganz natürlich seien. Einige der Kommentatoren nahmen folgerichtig auch Bezug auf die Studie, welche bereits vor geraumer Zeit der Nutztierhaltung (insbesondere Kühe) eine große Verantwortung am Klimawandel gab. Anstatt dass sich eine ehrliche und vor allem notwendige Diskussion entwickelt hat, wurde das Ganze ins Lächerliche gezogen. Vielen Kommentatoren merkte man auch an, dass sie den Artikel gar nicht gelesen hatten, sondern nur die Schlagzeile.

„Ich doch nicht – schau mal da!“

Nun ist es kein exklusives Verhalten der sogenannten Katzen- und Hunde-„Community“, wissenschaftliche Studien, die eine eigene Mitverantwortung am Klimawandel implizieren, rundherum abzulehnen. Das gleiche Bild ergibt sich, wenn man sich aktuell die Diskussionen um den „Dieselskandal“ anschaut oder auf das provokative Statement von Peta damals blickt: „Vegetarier sind Klimaschützer“. Meist werden wissenschaftliche Erklärungen ignoriert und ihnen die Ernsthaftigkeit abgesprochen. Oder es wird, wenn die Ergebnisse allzu offensichtlich sind, damit gekontert, dass der eigene Einfluss ja viel zu gering sei, um etwas ändern zu können, und man doch mal schauen sollte, was und wie viel die Industrie so in die Atmosphäre bläst und dass der Staat da doch erstmal eingreifen sollte. Für diese Argumentationsweise gibt es mittlerweile sogar einen eigenen Begriff: „whataboutism“ – was sinngemäß bedeutet: „aber was ist damit?“ Selbst in der Weltpolitik finden sich diese Ansätze: Entweder es wird komplett ignoriert, dass es einen vom Menschen beeinflussten Klimawandel gibt, oder es wird mit „whataboutsism“ à la „wir könnten schon den CO2-Ausstoß senken, aber erst müssen die Chinesen und die Amis was tun, die machen ja viel mehr aus“ gekontert. Gern wird das Ganze dann noch mit düsteren Bildern aus der Wirtschaft unterlegt, zum Beispiel wie viele Arbeitsplätze verloren gehen würden. Wobei da zum Teil lächerliche Zahlen in riesigen Dimensionen dargestellt werden.

Diese Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, ist eine beängstigende Tendenz in der aktuellen Gesellschaft. Natürlich ist es nicht diese Katze, dieser Hund oder dieses Dieselauto, welches die alleinige Schuld am Klimawandel trägt. Doch die schlechte Nachricht ist: Diesen einen Faktor allein, welchen wir nur verändern müssten, den gibt es nicht. Wir haben von allem zu viel: zu viele Menschen, die zu viel Fleisch konsumieren, die zu viele Autos, zu viele Haustiere und alles Mögliche in Plastik haben etc. Und dies alles führt letztlich zu der prekären Lage, in welcher wir uns befinden beziehungsweise auf welche wir unaufhaltsam zusteuern. – Jetzt mögen die Klimawandelverweigerer erwidern: Klimawandel hat es schon immer gegeben. Ja, natürlich hat es den schon immer gegeben. Aber abgesehen von der nicht natürlichen Geschwindigkeit, mit welcher sich der aktuelle vollzieht, gab es früher viel weniger Menschen, die einen Lebensraum für sich beanspruchten. Als aus dem „Grünland“ Grönland ein Eisland wurde, gab es genügend andere Siedlungsräume für die wenigen Menschen. Sie konnten und sie zogen in andere Gebiete, die mehr Nahrung und bessere Bedingungen boten. Diesmal jedoch befinden wir uns in einer anderen Situation, denn der Siedlungsraum ist durchaus begrenzt, und wenn die Natur ihren Weg findet, wird es Tier- und Pflanzenarten geben, die die Anpassung schaffen, für die Menschheit wird ein Überlebenskampf beginnen, den ein Großteil nur verlieren kann.

Eine Lösung: Eigenverantwortung und Verzicht

Nüchtern betrachtet gibt es für unsere aktuellen Umweltprobleme eine ganz einfache Lösung: Wir müssen Verantwortung für unser Tun übernehmen und verzichten. Es ist unnötig zu warten, dass die Industrie etwas hervorbringt, was ein klimaneutrales Leben auf dem jetzigen Standard ermöglicht. Denn dies wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals geben. Das Elektroauto ist in Summe nicht wesentlich klimafreundlicher als das Dieselauto. Biofleisch ist in der Masse, wie heute Fleisch „hergestellt“ wird, nicht realisierbar. Nachhaltige Landwirtschaft wird den jetzigen Überfluss nicht kompensieren können. Ein T-Shirt für 2,50 Euro kann nicht nachhaltig hergestellt sein. Und so weiter und so fort… Das Einzige, was den Klimawandel abbremsen kann, sind weniger Autos, weniger Überfluss, bewusster Umgang mit Haustieren, weniger Wegwerfprodukte etc. Wir müssen das endlich akzeptieren und entsprechend losgehen – jeder!

Die Mahner mögen jetzt vielleicht mit den Spruch kommen: „Aktionismus hilft uns da auch nicht, wir müssen gut überlegen, was wir tun, um unseren Wohlstand nicht zu gefährden.“ Dabei bräuchte es aktuell gerade mehr Aktionismus und weniger „was wäre wenn“. – Kennen Sie die Geschichte von dem kleinen Jungen, der nach einem Sturm beginnt, behutsam Seesterne wieder ins Meer zu tragen? Es sind aber Tausende, die da liegen und sterben werden, und es ist klar, dass er nicht allen helfen kann. Dennoch holt er unermüdlich Seestern um Seestern und trägt sie zum Wasser. Ein älterer Mann spricht ihn an: „Was machst du denn da? Das sind doch viel zu viele. Was du tust, ändert nicht das Geringste.“ Der kleine Junge schaut auf den Seestern in seiner Hand und sagt dann mit fester Stimme: „Doch, für den hier ändert es etwas, wenn ich ihn ins Meer bringe.“ Während er ins Meer läuft, schaut ihm der ältere Mann kopfschüttelnd hinterher und geht dann seiner Wege.

Auch wenn das Beispiel etwas hinkt, aber wir sollten mehr auf das Kind in uns hören statt auf den alten Mann. Niemand wird uns retten, wenn nicht wir selbst. Es ist unsere Verantwortung gegenüber unseren Kindern, dass wir genau jetzt beginnen, zu verzichten und aufhören zu warten. Ausreden, warum man nichts unternehmen kann, wird man immer finden. Aber, um mit Kurt Marti zu schließen: „Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“

Steffen Behnke

Steffen Behnke

Steffen Behnke (Jahrgang 75), Betriebswirt und Vater von drei Söhnen, hält seit vielen Jahren seine Gedanken in kleineren Artikeln für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften sowie in Gedichten fest. Die Gedichte veröffentlicht er unregelmäßig in seinem Blog "Gedankensedimente" (http://gedankensedimente.blogspot.de/). Außerdem wurde 2010 sein Gedicht "Schwarzes Eis" in der Anthologie "Ausgewählte Werke XIII - 2010" (Verlag Die Deutsche Gedichtebibliothek) sowie 2016 sein Gedicht "Magie" in der Anthologie"Aufgehen in Dir" (SternenBlick-Verlag) veröffentlicht.
Steffen Behnke

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