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Der Weg des geistigen Suchers

Kategorien: Bewusstsein, Metaphysik, Taoismus, Transformation

„Unsere Kinder sollen es später besser haben, als es uns ergangen ist“, so lautet der geheime Wunsch vieler Eltern, wenn sie versuchen, für ihre Kinder Lebensbedingungen zu schaffen, die ihrer Meinung nach ein besseres Leben gewährleisten. Besseres Leben bedeutet dabei wohlhabend sein, zu den Erfolgreichen gehören, Respekt und Anerkennung der Mitmenschen genießen können.

Hat nun der heranreifende Mensch die Diplome von Schule und Ausbildung in der Tasche, dann probiert er, in den Spielen der Erwachsenen mitzupokern. Selbst wenn sich der Erfolg bald einstellt, so bleibt bei einigen Menschen ein Gefühl des Unbehagens. Zu stark ist noch das äußere aufgesetzte Wissen, das in der Erziehung vermittelt wurde, und zu schwach ist das Verlangen nach Mehr-als-Leben, Leben im Sinne von horizontalem, rein biologischem Leben. Der Mensch der Masse kann kein Verständnis dafür aufbringen, dass ein Leben in gesicherten Verhältnissen nicht alle Menschen zufriedenstellt. Was wollen diese Unzufriedenen denn noch mehr? Die innere Unruhe, die jene Menschen nach anderen Zielen im Leben drängt, bleibt für sie selbst lange Zeit rätselhaft und unfassbar. Sie wissen selbst nicht, was sie suchen. Oft bleibt es ihnen verborgen, dass sie zu den „Suchern“ gehören.

Das Innere des wahrhaften Suchers

Ist denn der Sucher ein besonderer Menschentyp? Eine Antwort auf diese Frage lässt sich nur auf der Grundlage esoterischen Wissens geben. Die Lebensenergie, die sich von einem organisch lebenden Körper in einen neuen organischen Körper fortpflanzt, ist rein biologischer Natur, auch wenn sie bisher wissenschaftlich wenig erforscht wurde. Die Quantität dieser Lebensenergie allerdings entscheidet über die Lebensdauer. Die Qualität dieser Energie bestimmt die innere Struktur des Lebewesens. Beim Menschen unterscheiden sich daher die feinstofflichen Körper, bekannt unter dem Namen Ätherkörper, von Person zu Person. Werden die feinstofflichen Körper von Energien höherer Schwingungsfrequenz durchflutet, dann strebt dieser Mensch nach „höheren Dingen“ im Leben. Viele Idealisten zählen zu diesen Menschen, die von sehr differenzierten Energien belebt werden. Ihre Lebensziele jedoch liegen auf der horizontalen Ebene, und sie streben eine Verbesserung und Vervollkommnung dieser Welt an. Im Suchertyp ruht im Herzensbereich noch ein Überbleibsel aus einer anderen Schöpfungsordnung. Diese Aussage ist ein fester Bestandteil der esoterischen Lehre und findet sich‚ ausgedrückt in verschiedenen Metaphern, in allen Traditionen wieder.

  • Im Buddhismus spricht man vom Juwel im Lotos des Herzens. Dieses Juwel – Metapher für die latent vorhandene Buddhaschaft – ist der alleinige Grundstock, aus dem sich die Buddhanatur voll entfalten kann.
  • Laotse erwähnt in seinen Versen das strahlende Kleinod im Busen, welches der alleinige Garant für die Wegvollendung ist. In den Werken der späteren taoistischen Alchemisten taucht auch der Begriff vom TAO-Kind auf. Aus diesem Embryo entwickelt sich der unverwesliche Auferstehungsleib im Feld des TAO.
  • Paulus spricht in seinem Brief an die Philipper von dem Kleinod, in welchem die himmlische Berufung enthalten ist. Mit dem Wort „himmlisch“ bezeichnet Paulus das „Reich der Himmel“, das Land der Lebenden, in dem der Tod überwunden ist.
  • In der christlichen Esoterik kennt man die Begriffe „Samenkorn Jesu“ und „Rose des Herzens“.
  • Die modernen Rosenkreuzer reden vom eingeschlossenen Uratom, welches noch der Schwingung der Urschöpfung entspricht.
  • Julius Evola setzt im Suchertyp eine andersgeartete innere Struktur voraus, die vorhanden sein muss, damit der Sucher von den Schwingungen der Lehre von der Transformation berührt wird und zu lebensverändernden Konsequenzen bereit ist.

Inneres Wissen, göttliches Urbild und das Ersatzwesen Mensch

Diese Beispiele zeigen in offenkundiger Weise, dass die esoterische Lehre nichts in den Sucher hineinlegen kann, was nicht schon in ihm vorhanden ist. Die schulische Erziehung festigt durch ständiges Wiederholen und Üben im jungen Menschen intellektuelle Strukturen, die immer wieder abgerufen werden müssen, um nicht vergessen zu werden. Mit zunehmendem Alter aber lassen die intellektuellen Fähigkeiten nach, denn das Schulwissen hat sich allein in den Gehirnzellen eingraviert, wohingegen das esoterische Wissen vorhandenes, aber überlagertes und brachliegendes Wissen im Mikrokosmos wiederbelebt und im Wesentlichen auf den mitgebrachten Urerinnerungen an andere Schöpfungsphasen und Schöpfungsgebiete gründet. Die Suche des Menschen nach seiner ehemals geistigen Heimat wird dadurch erschwert, dass zwei Wesensanteile in ihm um die Vorherrschaft kämpfen. Je mehr der Sucher jedoch nach dem aufgebauten Wissen und den anerzogenen Werten der Persönlichkeit kleiner wird, desto größer wird in ihm der mitgebrachte Anteil aus der Urschöpfung.

Der Sucher, nachdem er sich selbst als Fremdling in dieser Welt angenommen hat, sucht eine andere Welt, die er nicht an einem verborgenen Ort findet, sondern in welche er durch das tägliche Wenigerwerden hineinwächst. So findet er in dem Maße, wie er von seiner Person, seinem Wertesystem und seinem Weltbild Abschied nehmen kann, denn die Klugheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. Gott bedeutet für den westlichen Menschen den nicht fassbaren Urheber dieser Schöpfung, der sich jedoch als Schöpfer offenbarte und von den Menschen personifiziert wurde. Und es heißt in der biblischen Genesis, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf. Nach dieser Sichtweise heißt dies letztlich, dass jeder geistige Sucher danach strebt, sein göttliches Urbild wiederzufinden. Auch für Laotse stellt das Urbild der Schöpfung im Sucher den verlässlichen Kompass dar, der die Richtung des Rückweges in die Urschöpfung anzeigt. Das aus den Bausteinen dieser Natur geschaffene „Ersatzwesen Mensch“ behindert einerseits durch seine Klugheit das Erwachen des ehemals kosmischen Menschen, ist aber andererseits unerlässlich, damit der Sucher den Rückweg in dieser zweipoligen Welt beginnen kann.

Ist der Mensch, gedrängt von der ungestillten Sehnsucht seines Herzens bereit, den Wandlungsweg zu betreten, dann wird er den kleinlichen Sorgen um das Wohlergehen seiner Person entrissen, weil er sich einer anderen Gesetzmäßigkeit unterstellt.

„Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürft.“
(Matthäus 6,31-32)

„Die Menschen der Welt sind alle zu etwas nütze.
Ich allein bin ein unwissender Tölpel.
Ich allein bin anders als die Menschen,
denn ich ehre die lebenspendende Allmutter.“
(Laotse: „Tao Te King“, Vers 20)

In allen sakralen Überlieferungen findet der geistige Sucher die Zusage, dass sein Leben unter einem besonderen Schutz steht, wenn er in seiner Suche auf die andere Wirklichkeit ausgerichtet bleibt. Die Suche verläuft jedoch nicht immer geradlinig auf das Endziel zu. Im Allgemeinen setzen alle Menschen sich ein Lebensziel. Dieses liegt bei der Mehrzahl der Menschen auf der horizontalen Ebene und besteht meistens in der Selbstverwirklichung der angenommenen Persönlichkeit. Das Urbild des ehemals kosmischen und wahren Menschen bleibt dann zugedeckt von Ideen und Anschauungen, die sich der Mensch in seinen Gedanken zurechtgelegt hat. Die Gefahr, das Urbild auf der Suche aus den Augen zu verlieren, weil sich andere Bilder vordrängen und das Bewusstsein besetzen, besteht selbst für den ernsthaften Sucher. Denn wer ist so gefestigt, dass er die Demaskierung der Werte und Weltbilder der Gesellschaft, Kultur und Moral ohne Wanken und Zweifel übersteht?

Die Überwindung der Dualität

Das mikrokosmische Wesen des Menschen gleicht, ohne dass es den geringsten Unterschied aufweist, den sich offenbarenden Schöpfungskräften des Makrokosmos. Mit der Abkehr von den kosmischen Urprinzipien ist der Mensch inzwischen in eine Welt hinabgestiegen, in der er in einer kristallisierten Körpergestalt „eingeschlossen“ ist. Alle durchlaufenen Schöpfungsphasen haben Spuren im Mikrokosmos hinterlassen, und so kann der Mensch sich anhand dieser Urerinnerungen auf den Weg der Rückkehr machen. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist die Überwindung der Dualität. Wer der Dualität enthoben ist, sagt Laotse, der ist fähig, das Reich zu erlangen. Die zweipolige Schöpfung steht unter der Herrschaft von Yin und Yang. Der Durchgang in den Bereich des ersten Schöpferwillens und in das pollose Feld heißt in der chinesischen Kosmologie „Liang-i“ (= die Formierung der beiden Kraftrichtungen). Hinter dieser Pforte steht der Sucher wieder im Strahlungsfeld der pollosen Schöpfungskraft. Vor seinem inneren Wesen offenbart sich das Mysterium der kosmischen Drei-Einheit. In dieser ungetrübten Einheit der Schöpfungskräfte erkennt der Mensch sich selbst. In ihm erstarkt und erstrahlt erneut das Urbild. Der kosmische Mensch ersteht aus den Vater- und Mutterkräften des Universums, in dem die Polarität noch in der Einheit eingebettet ist. Seine Wurzeln sind tief verankert im Urgrund des nicht fassbaren, unbegrenzten Seins und Nicht-Seins. Dieses nicht weiter Nennbare ist das‚ was sich selbst nicht offenbart und doch alles offenbarend hervorbringt. Der mühsam begonnene Weg des geistigen Suchers endet spurlos im Feld des nicht aussprechbaren Urquells.

weiterführende Literatur:

Laotse: “Tao Te King” (Neuübersetzung von Heinz Klein)
Heinz Klein: “Briefe zum Tao Te King”
Heinz Klein: “Die Magie vom Wenigerwerden. Die Transformation zum wahren Menschen”
Heinz Klein: “Sein eigener Meister und Schüler. Der einfache, direkte Weg”

Heinz Klein

Heinz Klein

Heinz Klein, Jahrgang 1943, absolvierte ein Kunststudium an der Akademie in Brüssel. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan und studierte die chinesische Sprache. Bei verschiedenen Aufenthalten in Japan wurde er in den Zen-Buddhismus eingeführt. Beim Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte.
Dr. Heinz Klein übersetzte Laotses "Tao Te King" neu, da er dies aufgrund seiner jahrelangen Beschäftigung mit dem chinesischen Urtext als notwendig erachtete.

Beim Verlag Zeitenwende erschien von ihm:
- "Tao Te King" von Laotse (Neuübersetzung, 2005, 2. Auflage: 2012)
- "Briefe zum Tao Te King" (2005)
- "Medizin und Alchemie – Wege zum Heil im traditionellen China" (2005)
- "Die Magie vom Wenigerwerden – Die Transformation zum wahren Menschen" (2005)
- "Sein eigener Meister und Schüler - Der einfache, direkte Weg" (2007)
- "Ihr seid Götter - Die Suche nach Unsterblichkeit" (2014)
- "Das wahre Erbe der Katharer - Zeitzeugnisse" (2014)
- "Das TAO TE KING und der Weg zu wahrhafter Freiheit" (E-Book, 2016)
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Autor: Heinz Klein

Heinz Klein, Jahrgang 1943, absolvierte ein Kunststudium an der Akademie in Brüssel. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan und studierte die chinesische Sprache. Bei verschiedenen Aufenthalten in Japan wurde er in den Zen-Buddhismus eingeführt. Beim Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte. Dr. Heinz Klein übersetzte Laotses "Tao Te King" neu, da er dies aufgrund seiner jahrelangen Beschäftigung mit dem chinesischen Urtext als notwendig erachtete. Beim Verlag Zeitenwende erschien von ihm: - "Tao Te King" von Laotse (Neuübersetzung, 2005, 2. Auflage: 2012) - "Briefe zum Tao Te King" (2005) - "Medizin und Alchemie – Wege zum Heil im traditionellen China" (2005) - "Die Magie vom Wenigerwerden – Die Transformation zum wahren Menschen" (2005) - "Sein eigener Meister und Schüler - Der einfache, direkte Weg" (2007) - "Ihr seid Götter - Die Suche nach Unsterblichkeit" (2014) - "Das wahre Erbe der Katharer - Zeitzeugnisse" (2014) - "Das TAO TE KING und der Weg zu wahrhafter Freiheit" (E-Book, 2016)

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