Wandelthek

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Die Rauhnächte zwischen Tradition, Aberglaube, Wunschvorstellung und Realität

Kategorien: Bewusstsein, Lebensführung, Mythologie

Immer wieder bekomme ich Fragen gestellt zu den Rauhnächten, zur sogenannten „Zeit zwischen den Jahren“, und weshalb ich eine so „andere“ Sicht darauf habe. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, diese hier in aller Kürze darzustellen.

Gemeinhin wird davon gesprochen, dass die 12 Rauhnächte entweder mit der Wintersonnenwende oder mit dem christlichen „Heiligabend“ beginnen. Nach „alten“ Traditionen und Mythologien sind die Rauhnächte auch die Zeit zwischen den Jahren, in der die Tore zwischen den Welten geöffnet beziehungsweise die Schleier zur Anderswelt besonders durchlässig sein sollen, so dass beispielsweise Odin/Wotan mit seinen Wilden Horden/seinem Wilden Heer übers Land fegen und jeden mit sich nehmen kann, der sich aus dem Hause wagt.

Heute wird dieser geheimnisvollen Zeit eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Vorbereitung auf das neue Jahr zugewiesen. Es werden jede Menge Regeln und Rituale entwickelt und kundgetan, welche in den besagten 12 Tagen/Nächten einzuhalten beziehungsweise durchzuführen sind, damit das neue Jahr ein erfolgreiches wird. Vornehmlich in ländlichen Gebieten gibt es natürlich auch noch überlieferte und sich mehr oder weniger ähnelnde alte Traditionen und Bräuche, die zumindest bruchstückhaft noch lebendig sind. Allen Traditionen, Bräuchen und Definitionen ist eines gemein: die Rauhnächte markieren die besagte Zeit zwischen den Jahren. Doch welche Jahre sind gemeint, zwischen denen diese mystisch-magische Zeit liegt? Die Kalenderjahre an sich können im Grunde genommen nicht gemeint sein, denn diese verbindet ja nahtlos die Silvesternacht, die gemäß der Überlieferung in die 12 heiligen Nächte fällt. Und warum ist von 12 Nächten die Rede? Diese Frage ist vor allem deswegen interessant, weil nach altem Glauben die Rauhnächte am 6. Januar, dem alten Frau-Holle-Tag, enden, und somit wären es, ausgehend vom Beginn der heiligen Tage am 21. Dezember (Wintersonnenwende), mehr als 12 Tage/Nächte. Und schließlich: Gibt es einen realen Bezug oder ist das alles nur Aberglaube und Wunschvorstellung?

Es gibt tatsächlich eine Zeit zwischen den Jahren, die aber nicht viel mit dem zu tun hat, was heutzutage als die 12 Rauhnächte bezeichnet wird: Vor der Standardisierung des Kalenders (1582), womit dieser von natürlichen Ereignissen losgelöst und zu einem nahezu reinen „Terminkalender“ wurde, waren teilweise bis weit ins 16. Jahrhundert hinein Mond- und/oder Sonnenkalender gebräuchlich, die das Sonnen- und das Mondjahr widerspiegelten. Und genau zwischen diesen beiden liegt die „Zeit zwischen den Jahren“, es ist die Spanne zwischen dem Neubeginn des Sonnenjahres zum einen und dem des Mondjahres zum anderen. Anfang und Ende eines Sonnenjahres kennzeichnet die Wintersonnenwende, Anfang und Ende eines Mondjahres ist der der Wintersonnenwende am nächsten liegende Neumond (dieser ist ja immer auch der Beginn einer neuen Mondphase). Die jeweilige Konstellation der beiden Anfänge bestimmt also die Dauer der real existierenden „Zeit zwischen den Jahren“. Und wie so vieles in der Natur ist diese nicht immer gleich lang, sondern bewegt sich von Kalenderjahr zu Kalenderjahr mit unterschiedlichen Zeitabständen um die Wintersonnenwende.

Diesen unsteten kosmischen Vorgängen zu folgen, ist natürlich schwierig und aufwendig und war früher meist nur „kundigen Menschen“ möglich. Eine Standardisierung des Kalenderjahres machte da natürlich vieles einfacher. Und genau darin lag letztlich der Erfolg des julianischen und des späteren gregorianischen Kalenders begründet, denn wenn in jedem Jahr alle wichtigen Ereignisse zum selben Termin stattfinden, ist das für alle einfacher, und es bleibt wenig Spielraum für „Fehler“. Auf diese Weise entstanden aber auch zahlreiche von den natürlichen Geschehnissen und Kreisläufen losgelöste Traditionen und das Wissen um deren wirklichen Ursprung ging mit der Zeit verloren oder wurde umgedeutet.

Hierzu zählt auch die heutige Rauhnachtszeit mit den mittlerweile etablierten 12 Tagen/Nächten, also die sogenannte „Zeit zwischen den Jahren“. Doch trotz dieses „kleinen Makels“ der Losgelöstheit von den kosmischen Gegebenheiten, ist diese Zeit mit all ihren alten und neuen Ritualen wert- und sinnvoll, um das alte Kalenderjahr abzuschließen sowie das neue vorauszudenken und vorzubereiten. Aus meiner Sicht ist dies eine wirklich gute und sehr wichtige Sache. Auch unsere Vorfahren nutzten diese Zeit des Jahres, um sich eine Auszeit zu gönnen und sich Gedanken zu machen über Zurückliegendes und Kommendes.

Auch wenn dann im Lauf des neuen Jahres so einiges anders kommt als man geplant hat, so wird dieses gerade in unserer schnelllebigen Zeit aufgrund eines bewussten Herangehens an den kommenden Jahreslauf und auch wegen durchgeführter Rauhnachtsrituale etwas mehr Bestand und Stabilität aufweisen; man bleibt etwas besser „auf Kurs“, wenn man sich auf diese Weise vorbereitet. – Ich selbst nutze heute beides, die „Zeit zwischen den Jahren“ und die Rituale, und habe für mich festgestellt, dass durch das bewusste Leben und Erleben der Rauhnächte meine Jahresvorbereitungen deutlich an Kraft, Klarheit und Intensität gewonnen haben. Und so ist ein neuer und vor allem zeitgemäßer Umgang mit den tatsächlichen Ereignissen in der Schöpfung in Verbindung mit einem sinnvollen Konzept der Jahresvorbereitung entstanden, was sowohl dem Ursprung als auch dem Neuen Rechnung trägt. – In diesem Sinne wünsche ich eine intensive Zeit zwischen den Jahren und bedeutsame Rauhnächte.

Ihr Norbert Paul


Literaturhinweise:

        
Verlag Zeitenwende
                 Verlag Zeitenwende

 

Norbert Paul

Norbert Paul

Norbert Paul (Jahrgang 1960) war geschäftlich national und international in hohen Entscheiderpositionen erfolgreich tätig. Seit seinem 18. Lebensjahr übt er sich in verschiedenen Kampfkunstformen; zahlreiche Meistertitel, ein Ehrenplatz in der Millennium Hall of Fame und Ehrungen auf internationaler Ebene sind beeindruckende Ergebnisse dieses Wirkens. Auch die alternative Heilkunst kam sehr früh in sein Leben, erst als Ratsuchender, dann als Lernender und heute als Lehrender. Somit ist es ihm möglich, wie in uralten Traditionen die Kampfkunst und die Heilkunst zu verbinden.
Mit dem Neuen Abendländischen Schamanismus schuf er ein einzigartiges westlich-schamanisches Schöpfungs- und Lebensmodell und mit dem Runen-Qi-Gong ein Bewegungs- und Gesundungssystem, welches dem Yoga oder dem Tai-Chi und anderen östlichen Stilen ebenbürtig ist. Als Ausbildungsleiter für den Neuen Abendländischen Schamanismus, für das Runen-Qi-Gong sowie das Life-Transformation-Healing unterstützt er Menschen, welche schöpfungsrichtige Veränderungen nicht nur leben, sondern selbst weitergeben möchten.
Beim Verlag Zeitenwende erschien von ihm:
- Runen-Qi-Gong für Gesundheit und Lebensfreude - Das Übungsbuch zum abendländischen Bewegungssystem (2011) -
Der Neue Abendländische Schamanismus - Handbuch für ein Leben im Einklang mit der Schöpfung (2012)
- Alte Pfade - neue Wege. Zeitgemäße Naturspiritualität (2015)
Norbert Paul

Autor: Norbert Paul

Norbert Paul (Jahrgang 1960) war geschäftlich national und international in hohen Entscheiderpositionen erfolgreich tätig. Seit seinem 18. Lebensjahr übt er sich in verschiedenen Kampfkunstformen; zahlreiche Meistertitel, ein Ehrenplatz in der Millennium Hall of Fame und Ehrungen auf internationaler Ebene sind beeindruckende Ergebnisse dieses Wirkens. Auch die alternative Heilkunst kam sehr früh in sein Leben, erst als Ratsuchender, dann als Lernender und heute als Lehrender. Somit ist es ihm möglich, wie in uralten Traditionen die Kampfkunst und die Heilkunst zu verbinden. Mit dem Neuen Abendländischen Schamanismus schuf er ein einzigartiges westlich-schamanisches Schöpfungs- und Lebensmodell und mit dem Runen-Qi-Gong ein Bewegungs- und Gesundungssystem, welches dem Yoga oder dem Tai-Chi und anderen östlichen Stilen ebenbürtig ist. Als Ausbildungsleiter für den Neuen Abendländischen Schamanismus, für das Runen-Qi-Gong sowie das Life-Transformation-Healing unterstützt er Menschen, welche schöpfungsrichtige Veränderungen nicht nur leben, sondern selbst weitergeben möchten. Beim Verlag Zeitenwende erschien von ihm: - Runen-Qi-Gong für Gesundheit und Lebensfreude - Das Übungsbuch zum abendländischen Bewegungssystem (2011) - Der Neue Abendländische Schamanismus - Handbuch für ein Leben im Einklang mit der Schöpfung (2012) - Alte Pfade - neue Wege. Zeitgemäße Naturspiritualität (2015)

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