Bewusstsein Märchen/Märchendeutung

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Teil 1: das Erwachsenwerden

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist der Märchenfilmklassiker schlechthin. Doch was macht diese Filmversion des beliebtesten Märchenthemas weltweit so einzigartig. Eine von vielen Antworten ist, dass das Erwachsenwerden, Erkennen und Erwachen eines Menschen auf so wundervolle Weise dargestellt wird, auch wenn vieles auf den ersten Blick gar nicht als so gewichtig erscheint. In drei Beiträgen wird hier auf Wandelthek.de auf die Aspekte des Erwachsenwerdens, Erkennens und Erwachens eingegangen, die im Aschenbrödel-Film „verpackt“ sind. Dieser Artikel stellt interessante Aspekte (unter Berücksichtigung der Urprinzipien im Tierkreis) zum Erwachsenwerden im Allgemeinen mit Bezügen zum Aschenbrödel im Speziellen heraus.

Was bedeutet eigentlich Erwachsenwerden? Zerlegt man das Wort, so entdeckt man darin das Wachsen und das Wachwerden. Nach der Empfängnis wächst das Ungeborene in der Einheit mit der Mutter heran (Urprinzip: Krebs-Mond): Es hat sich um nichts zu kümmern, denn alles, was es braucht, fließt ihm über die Nabelschnur zu. Diese meist paradiesische Zeit bricht die Geburt (Widder-Mars) abrupt ab. Aus dem Chaos des Geburtsvorgangs befreit, lernt das Neugeborene in kürzester Zeit einiges Neues und schläft sehr viel. Mit zwei bis sechs Jahren sind Kinder bereits wacher, doch im Vergleich zu dem Bewusstseinszustand von Erwachsenen noch überwiegend in einer Traumwelt. Misst man die summierte elektrische Gehirnaktivität, so findet man einen Theta-Zustand, was einem Frequenzbereich von vier bis acht Hertz, sprich vier bis acht Signalen in der Sekunde entspricht. Eine solche Hirnfrequenz haben auch Erwachsene, wenn sie bildlich träumen oder im Rahmen einer Hypnosetherapie in einer Tieftrance sind. Gerade vor einer Hypnose haben viele Menschen Angst, da sie denken, hier ihre Kontrolle zu verlieren. – Vielen ist nicht bekannt oder bewusst, dass Kinder bis zum Alter von sechs Jahren überwiegend in einem solchen hypnotischen Zustand sind, den der Körper nutzt, um komplexe Dinge wie das Laufen und das Sprechen relativ rasch zu lernen. Andererseits wird hier die Saat gelegt für die späteren roten Fäden im Leben. Denn gerade die intensiven Erfahrungen dieser ersten Jahre – egal ob positiv oder negativ – will das Unbewusste erneut erfahren. So wundert sich manch einer, dass er immer wieder an einem ähnlichen Punkt steht. Sein Bewusstsein sagt eindeutig: „Das will ich nicht.“ Doch das wesentlich schneller arbeitende Unbewusste manövriert ihn dann erneut in entsprechende Situationen. Dies ist auch eine Ursache für bestimmte Familienmuster. Beispiele aus dem Aschenbrödel-Film sind: Die Stiefmutter fordert von ihrer Tochter das, was sie selbst lebt und was sie für richtig hält: Sich eine gute Partie zu angeln, um abgesichert zu sein. Liebe oder die inneren Bedürfnisse sind dabei irrelevant. Eine weitere Filmdarstellung: Der König will seinen Sohn vor einer Blamage beim Tanzen schützen. Er behauptet, dass er in einer Nacht mehrere Paar Schuhe durchgetanzt habe. Diesen Spruch kennt der Prinz bereits auswendig. Nachdem der Thronfolger den Saal verlassen hat, erfahren wir von der Königin, dass dem nicht so war, denn beim ersten Tanz mit ihr entschuldigte sich ihr jetziger Mann, dass er ihr dauernd auf die Füße trat. Zudem stellt sie klar, dass ihr Sprössling seinem Vater „in allen wesentlichen Dingen“ so ähnlich sei.

Bei solchen Familienthemen ist zu bedenken, dass das Unbewusste Millionen Mal schneller arbeitet als das Bewusstsein. Der bewusste menschliche Geist hat dagegen quasi keine Chance. So versuchen wir oftmals, unsere Probleme im bewussten Außen zu lösen, getreu dem Motto: „Wenn dieses und jenes passen würde, dann…“ „Wenn ich nur mehr Geld hätte, dann…“ „Wenn ich endlich meinen Seelenpartner hätte, dann…“ Doch einen Pickel (die eigenen Themen) kann man schwerlich im Spiegel (im Außen) ausdrücken – auch wenn dies schmerzfreier scheint. Selbst wenn dies im Spiegel, beim Gegenüber, funktioniert, jedoch die eigene Heilung noch aussteht, so wird man rasch wieder mit dem eigenen Pickel im nächsten Spiegel konfrontiert werden. Urprinzipiell ordnet man den Spiegel dem kardinalen Zeichen Krebs mit seinem Herrscher Mond zu. Der Mond selbst leuchtet nicht, er spiegelt lediglich das Licht der Sonne und glänzt silbrig am Nachthimmel. So spiegelt beispielsweise der die Wahrheit verkündende Kindermund die eigenen „Pickel“, die man nur bei sich selbst heilen kann. Dies ist oftmals sehr schmerzhaft, insbesondere wenn dabei eigene Illusionen sterben.


Den Wandel meistern
Das Erwachsenwerden ist ein Prozess, welcher, sofern es der einzelne Mensch zulässt, ein Leben lang andauert, denn wörtlich bedeutet es, im Wachsen zu sein und sich zu ändern. Dabei kann es hilfreich sein, sich die Eigenschaften des sprachlich verwandten Wortes »Wachs« zu vergegenwärtigen: Wer sich vom Wandel – dem einzig Beständigen – nicht erwärmen lässt, sondern kühl und starr bleibt, zerbricht möglicherweise daran. Wer sich jedoch erwärmen lässt, wird wie Wachs formbar und kann immer wieder neue Formen annehmen.

 

Urprinzipiell gehört zum Wachwerden auch der astrologische Gegenpol des Krebs-Mondes: der Steinbock-Saturn. Dieser steht für harte Regeln, Gesetze bis hin zum Tod. Im Märchen wird das Aschenbrödel zunächst durch das Sterben der Mutter und dann des Vaters aus dem wohlbehüteten Nest der Kindheit geworfen. Es lebt in der harten Realität unter der strengen Stiefmutter. Diese Höllenzeit übersteht es, da es trotz seiner Schicksalsschläge noch immer wie ein Kind sein kann. Kinder beurteilen und verurteilen nicht. Sie nehmen vieles neutral wahr und als gegeben hin, sie können im Hier und Jetzt leben und dieses voll und ganz genießen. Im Film ist dies durch das Fangspiel zwischen Aschenbrödel, dem Prinzen und seinen Freunden dargestellt.

Eine Zauberformel für diese urprinzipielle-astrologische Achse heißt: Mit der Allverbundenheit eines Kindes die Anstrengungen des Lebens spielerisch meistern. Ein weiterer Aspekt zum Thema Erwachsenwerden ist, dass manch einer gar keine Lust darauf hat. Immer mehr Kinder genießen das bequeme „Hotel Mama“, obgleich sie bereits alt genug sind, um auszuziehen. Im Märchen repräsentiert der Prinz jene, die von Verantwortung und Erwachsenwerden nichts wissen wollen. Wieso auch! Er kann den ganzen Tag spielen und seinem Genuss nachgehen, dem Jagen (Widder-Mars) im Wald. Sein Vater, der König, beschließt daher Kraft seines Amtes (Steinbock-Saturn), dass damit jetzt Schluss ist.

Sein Sohn hat sich auf dem Ball zu vermählen (noch heute liegt der erste Ball in einer Zeit, in der sich die meisten in der Übergangsphase vom Kind- zum Erwachsensein befinden). Widerwillig gehorcht der Thronfolger und tanzt mit diversen Anwärterinnen. Völlig erschöpft kehrt er zu seinen Eltern zurück und verkündet, dass er nicht weitertanzen wird. Die Situation eskaliert und er will „lieber Bäume fällen“ gehen, als sich irgendeinem Eheleben zu opfern. Auf dem Weg nach draußen durchkreuzt die Liebe (Waage-Venus) ganz unverhofft seinen Plan: Plötzlich steht der Prinz vor seiner Prinzessin, dem Aschenbrödel. Bereits nach wenigen Minuten macht er ihr einen Heiratsantrag. Doch anstatt diesen anzunehmen, wie dies wohl fast alle anderen Anwärterinnen getan hätten, stellt sie ihm ein Rätsel. Erst wenn er dieses lösen kann, sprich ihre gemeinsamen Treffen (ich & du = Widder-Mars & Waage-Venus) und somit seine Auserwählte mit Licht- und Schattenseiten erkennt, erst dann willigt sie in ein zukünftiges Leben mit ihm ein.


Mehr zum Thema „Erwachsenwerden“ lesen Sie im Buch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Ein Lebensschlüssel. Wie ein Märchenfilm die Kraft der Mitte illustriert“. Die Artikel zu „Erkennen“ und „Erwachen“ werden hier in Kürze veröffentlicht.

 

Literaturhinweis:

 

 

Vilja Elisabeth: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: ein Lebensschlüssel
Klappenbroschur, 352 Seiten, ISBN 978-3-934291-72-0
Preis: 19,90 Euro (D)
Verlag Zeitenwende

 

Nicole Vilja Elisabeth Wagner

Nicole Vilja Elisabeth Wagner

Dr. Nicole Vilja Elisaneth Wagner studierte Zahnmedizin und verfasste ihre Doktorarbeit in Psychologie. Dann wies das Schicksal eindringlich auf notwendige Änderungen hin. Nach Abschluss einer Hypnoseausbildung beim DGZH e.V. und einem berufsbegleitenden Master-Studiengang forschte sie, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Urweisheiten bekannt sind, deren Kräfte sie selbst erfahren durfte. Aufschlussreich war dabei eine mehrmonatige Ausbildung in archetypischer Medizin bei Margit und Dr. med. Rüdiger Dahlke; hilfreich war und ist für sie Yoga.

Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: ein Lebensschlüssel" (2012)
Nicole Vilja Elisabeth Wagner

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