Bewusstsein Lebensführung

Gedankenkosmetik

Es ist keine Neuigkeit, wenn gesagt wird, dass wir selbst die Gestalter des eigenen Lebens sind. Sich in diesem Zusammenhang einmal den Umgang mit den eigenen Gedanken im Laufe nur eines Tages ins Bewusstsein zu rufen, machen allerdings die wenigsten. Doch genau dies ist hinsichtlich des Tagesbefindens und damit der eigenen Art zu handeln. Warum also am Morgen nicht einmal das Bewusstsein auf die eigenen Gedanken und die Gefühlswelt lenken?Jeder Gedanke, den wir denken, ist eine Energie; mit jedem Gedanken, der uns bewegt und dem wir Raum geben, werden bestimmte Energien freigesetzt. Wer sich und sein Verhalten genauer beobachtet, hat dies sicher schon bemerkt. Auch ist es so, dass wenn uns alles negativ erscheint, und solche Tage gibt es hin und wieder, dann geht es uns auch schlecht, wir sind nicht gut drauf und zwangsläufig gelingt uns dann meist auch nicht das, was wir gerne wollen und was wir uns vornehmen. Man kann derartige Situationen sehr gut mit dem Wetter vergleichen. Solche Tage repräsentieren „Tiefdruckgebiete“, es ist in uns und unserem Gemüt bewölkt, stürmisch, regnerisch, ja es ist sprichwörtlich alles grau in grau. Wir haben eine regnerische, eine Tiefdruck-Grundeinstellung, und damit ist eine bestimmte unbewusste „Erwartung“ an das, was geschehen soll oder geschehen wird, unmittelbar verknüpft. Ein solches „Tiefdruckgebiet“ ist nicht die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Tag, ja nicht einmal für eine erholsame Auszeit. Denn wenn wir versuchen, an einem solchen Tag „frei zu machen“, werden wir vermutlich depressiv, statt uns zu erholen.

Morgentoilette und Morgengedanken

Mit guten Gedanken die eigene „Wetterlage“ beeinflussen

Gemeinhin ist die Überzeugung tief verwurzelt, dass wir solchen Stimmungen, solchen Wetterlagen des Gemütes, einfach ausgeliefert sind und wir nichts dagegen tun können. Allerdings ist diese Ansicht vollkommen falsch. Denn anders als es beim Wetter der Fall ist, können wir unsere Stimmungen nicht nur beeinflussen, sondern wir sind sogar für sie verantwortlich. Der tiefsinnige Film „Eat pray love“ enthält eine Szene, die diesen Fakt sehr schön wiedergibt. In dem indischen Ashram, in welchem Liz, gespielt von Julia Roberts, Antwort auf ihre Fragen sucht, begegnet sie Richard, einem Amerikaner. Zwischen den beiden gibt es etliche bemerkenswerte und tiefsinnige Wortwechsel. In einem dieser Gespräche sagt Richard zu Liz, dass sie jeden Morgen ihre Gedanken für den Tag genauso auswählen müsse wie ihre Kleider, die sie anziehen möchte. Diese Aussage gibt eine erschreckende Tatsache wieder: Jeden Morgen suchen die meisten von uns sehr bewusst aus, was sie anziehen. Viele verbringen zusätzlich auch noch eine beträchtliche Zeit vor dem Spiegel, um ihr Outfit zu optimieren. Das tun wir vor allem, weil wir in unserer Umwelt eine Wirkung erzielen wollen. Und dies funktioniert durchaus sehr zuverlässig. Leider verwenden wir nicht einen Bruchteil der Zeit, die wir für dieses Morgenengagement aufbringen, dafür, uns um unsere „Grundsteinlegung“ für den Tag hinsichtlich des Denkens und der Gefühle zu kümmern. In dieser Hinsicht bemühen wir uns viel zu wenig um unser „Outfit“. Dabei ist die Wirkung unserer Auswahl in diesem Bereich sehr effektiv, sie zieht weite Kreise und ist besser zu kalkulieren, als dies bei unserer Kleidung, unserer Frisur, unserem Parfüm, Rasierwasser, Deo oder Make-up der Fall ist. Während wir uns selbst um diese Äußerlichkeiten sehr akribisch bemühen, überlassen wir den Bereich unserer Gefühle – ohne darüber nachzudenken – dem Zufall, irgendwelchen unbewussten Mechanismen oder vielleicht sogar anderen Menschen.

Die Macht der Nachrichten

Zu jenen, von denen wir uns unsere Gedanken für den Tag jeden Morgen bereitwillig überstülpen lassen, zählen in besonderem Maße auch die Medien. Die Nachrichten, die wir hören, und die Zeitungen, die wir lesen, insbesondere am Beginn eines neuen Tages, sind es, die unsere Gedanken und Gefühle regelrecht programmieren. Man kann sicher geteilter Meinung darüber sein, ob es wichtig ist, regelmäßig Nachrichten zu hören oder Zeitungen zu lesen. Aber sicher ist es nicht notwendig und auch überhaupt nicht gut, wenn wir uns, am frühen Morgen angefangen, jede Stunde am ganzen Tag die gleichen negativen Schlagzeilen anhören und ungefiltert in uns hineinlassen. Solche Informationen sind starke Energien, und bekommen diese die Oberhand in unserem Leben, bestimmen sie ganz maßgeblich unser eigenes Denken und damit auch das Geschehen in unserem Tagesablauf.

Wir sollten einmal vor Augen führen, wie viele Menschen morgens die gleichen Nachrichten hören und dann, mit den gleichen Informationen gefüttert und so mit sehr ähnlichen Gedanken, in den Tag gehen, welche Energien dadurch entstehen und was diese bewirken können. Unsere Welt, das, was wir täglich erleben, die Realität unseres Alltags, ist die logische Folge unserer Gedanken und unserer (Be-)Wertungen. Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität. Jeder von uns sollte sich daher sehr gut überlegen, ob er einem Nachrichtenredakteur oder dem Moderator des Frühstücksfernsehens wirklich die Auswahl der gedanklichen Programme überlassen will, die dann für den Verlauf des gesamten Tages von entscheidender Bedeutung sind.

Eigene statt fremde Gedanken den Tag bestimmen lassen

Es wäre eine wirklich gute Alternative, sich am Morgen zu einem bestimmten Zeitpunkt, zum Beispiel nach dem Duschen, die Zeit zu nehmen, auch wenn es nur 5 bis 10 Minuten sind, um sich bewusst auf den Tag einzustimmen, sich darüber zu freuen, dass man gesund ist, dass man eine Familie, Freunde, Arbeit usw. hat. Es können auch eine oder zwei einfache Übungen in diesen Tagesbeginn eingebaut werden, die unser Denken und unsere Einstellung auf das ausrichten, was wir uns wünschen und was wir an diesem Tag erreichen wollen. – Das auszuprobieren und vor allem dauerhaft zu praktizieren, wird Erstaunliches bewirken.

Literaturhinweise:
Von Frank C. Blomeyer ist im August 2013 sein drittes Buch, Ausstieg aus der Stress-Spirale erschienen; Dein Bewußtsein – Deine Stärke sowie Burnout – Warum läßt Du Dich verheizen erschienen im Jahr 2011.
                

Frank Blomeyer

Frank C. Blomeyer wurde 1957 in Goslar geboren. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Marburg an der Lahn. Nach dem Abitur widmete er sich in seiner Ausbildung unterschiedlichsten Interessengebieten, insbesondere der Theologie, der Psychologie, dem Rettungsdienst und der Naturheilmedizin. Im Jahr 1984 eröffnete er eine Naturheilpraxis in Goslar. Seit Mitte der 1990iger Jahre ist er darüber hinaus auch als Dozent und Trainer tätig. Heute lebt er mit seiner Familie in der Lüneburger Heide und dort Seminare, Trainings und auch individuelle Beratungen und Behandlungen an.
Beim Verlag Zeitenwende erschien von ihm: Burnout - Warum läßt Du Dich verheizen? (2011); Dein Bewußtsein - Deine Stärke. Plädoyer gegen die Angst vor Veränderungen (2011); Ausstieg aus der Stress-Spirale (2013)

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