Bewusstsein Du hast täglich die Wahl Lebensführung

Du hast täglich die Wahl #4: Gibt es eine Alternative zur Revolution?

Betrachtet man die Entwicklung in den letzten Jahren in Deutschland, aber auch in Ländern wie den USA oder Frankreich, dann wird man feststellen, dass es trotz verschiedener Regierungen und deren Vorwahlversprechen eine weitestgehend konstante Politik gibt. Eine Politik, von welcher in erster Linie Großkonzerne und deren Shareholder profitieren. Wahlversprechen sind meist nicht das Plakat wert, auf dem sie stehen; ohnehin gibt es über weite Strecken einen inhaltslosen Personenwahlkampf. Die Werte, für welche die Parteien quasi per DNA standen, werden ohne Skrupel auf dem Schafott der Realpolitik geopfert. So gab es die größten sozialen Einschnitte in der BRD ausgerechnet unter einer SPD-Mehrheitsregierung. Deutsche Soldaten wurden unter Regierungsbeteiligung der Grünen »endlich« wieder in den Krieg geschickt. Die CDU-Kanzlerin gibt den Stabilitätspakt der EU auf und der grüne Ministerpräsident in Baden-Württemberg macht Lobbyarbeit für die Autoindustrie. Unter Friedensnobelpreisträger Obama befand sich die USA an mehr Tagen im Krieg als unter jedem Präsident vor ihm. Frankreichs vom Volk gefeierter »Erneuerer« Macron will den Wohngeldzuschuss für die Armen kürzen und gleichzeitig die Vermögenssteuer für besonders Wohlhabende streichen sowie die Unternehmenssteuer auf 25 Prozent senken. Die Liste ließe sich jetzt endlos weiterführen und weltweit betrachtend ausweiten. Doch was ist die Erkenntnis daraus?

 

»Demokratie heißt eben nicht, die Macht in die Hände des Volkes zu legen. Demokratie heißt, dem Volk das Gefühl zu geben, es habe eine Wahl.« (Volker Pispers)

Die Politik auf Kosten der Armen und zum Wohle der Reichen ist eine sehr konstante. Die Lobbyisten der Großkonzerne sind weltweit so mit der Politik verflochten, dass sie diese ungehindert in ihrem Sinne beeinflussen. Das passiert vor unser aller Augen und nicht in geheimen Hinterzimmern. Oft schreiben von den Lobbyisten beauftragte Anwaltskanzleien sogar Gesetzesvorlagen, welche eins zu eins durch die Parlamente gehen, auch weil die Politiker gar nicht das Wissen haben, um Entscheidungen treffen zu können. Die Politiker umgeben sich ganz dreist mit Wirtschaftsbossen und lassen sich lukrative Posten nach ihrer Amtszeit in der Wirtschaft geben. Die reale Politik ist derartig durchdrungen und abhängig von diesen »Ratgebern«, dass sie selten bis nie Entscheidungen trifft, welche unternehmensgefährdend sein könnten. Organisationen wie Lobbycontrol machen seit Jahren darauf aufmerksam, aber ihr Rufen verklingt zwischen »Deutschland sucht den Superstar« und »Dschungelcamp«.

Besser als jede Wahl: das Kaufverhalten ändern

Was kann man tun, wenn Wahlen letztlich doch nichts ändern? Revolution? Auch wenn ich kein prinzipieller Gegner einer Revolution bin, so stellt sich natürlich die Frage, was käme danach? Die Beispiele in der Historie zeigen, dass die Demokratie zwar keine perfekte Regierungsform ist, aber alle anderen Regierungsformen, die da und dort so ausprobiert wurden, schlechter sind. Abseits der Wahlen haben wir als mündige Menschen allerdings einen Einfluss, welchen wir dauerhaft ausüben können und der, wenn sich genügend Menschen daran beteiligen, besser als jede Wahl wirkt. Wir leben in einer Marktwirtschaft und diese unterliegt einfachen und leicht verständlichen Gesetzen. Was in einer Marktwirtschaft keiner kauft, das wird nicht hergestellt und angeboten. Wenn also der mündige Verbraucher sein Geld politisch klug ausgibt, beeinflusst er mehr als jede Wahl. – Sie ärgert das »Sterben« der »echten Bäcker«? Gehen Sie bewusst zu den verbliebenen Nichtfilialisten und kaufen Sie dort. Überzeugen Sie Ihre Freunde und Bekannten, dies auch zu tun. Sie ärgern sich über den Einsatz von Glyphosat? Erkundigen Sie sich in regionalen Bauernläden, ob diese Produkte anbieten, die nicht belastet mit Glyphosat sind, und kaufen Sie da. Kaufen Sie ihr Wasser nicht im Supermarkt in billigen Einwegflaschen, sondern schauen Sie nach Wasser aus einer regionalen Quelle mit den geringsten Anfahrtswegen – oder trinken Sie einfach Leitungswasser. Kaufen Sie Ihren Strom bei zertifizierten Ökostromanbietern, möglichst ohne Konzernbeteiligung.

Wenn wir das System ändern wollen, dann müssen wir es an seiner Lebensader packen – und diese ist der Strom des Geldes. Wenn es gelingt, diese Ströme in die richtigen Bahnen zu lenken, hilft auch der beste Lobbyismus nichts mehr. Aber sind wir nicht zu wenige dafür? Das wird davon abhängen, wie viele Menschen sich mittelfristig überzeugen lassen, bewusst zu konsumieren. Aber was gibt es zu verlieren? Im allerschlimmsten Fall verpufft die Wirkung und es bleibt das Gefühl, zumindest alles versucht zu haben.

Steffen Behnke

Steffen Behnke

Steffen Behnke (Jahrgang 75), Betriebswirt und Vater von drei Söhnen, hält seit vielen Jahren seine Gedanken in kleineren Artikeln für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften sowie in Gedichten fest. Die Gedichte veröffentlicht er unregelmäßig in seinem Blog "Gedankensedimente" (http://gedankensedimente.blogspot.de/). Außerdem wurde 2010 sein Gedicht "Schwarzes Eis" in der Anthologie "Ausgewählte Werke XIII - 2010" (Verlag Die Deutsche Gedichtebibliothek) sowie 2016 sein Gedicht "Magie" in der Anthologie"Aufgehen in Dir" (SternenBlick-Verlag) veröffentlicht.
Steffen Behnke

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