Bewusstsein Heilkunde

Magie – und doch kein Geheimnis

„Magie“, dieses Wort bringt vielerlei Saiten zum Schwingen: Zauber, Kraft, geheimnisvolle Wirkungen, Größe, Stärke, besondere Fähigkeiten eines geheimen Ordens. Magie wird von der Mehrzahl der Menschen belächelt und in das Fabelreich verbannt. Gibt es denn so etwas wie Magie überhaupt?

Unsere aufgeklärte, naturwissenschaftlich geprägte Welt rümpft hochmütig die Nase, wenn von Magie die Rede ist, und spricht: „Alles Aberglaube, vorwissenschaftlicher Unsinn, nichts, was zu beweisen wäre.“ „Sie glauben doch nicht an Zauber!“

Magie zu leugnen, ist ein sicheres Mittel, um selbige hinter unserem Rücken geschehen zu lassen, damit wir, wie es seit eh und je geschieht, unbewusste, manipulierbare Objekte bleiben. Auch ist vieles, was sich entwickeln sollte, jedoch nicht kann, was also unterdrückt oder behindert wird, eine Folge von Magie, magische Lebensverhinderung sozusagen.

Prinzipiell haben wir es mit zweierlei Arten von Magie zu tun: „Die eine sollt ihr gut kennen und deshalb meiden, die andere kennen und nutzen zur Verwirklichung der ewigen Werte“, so Paracelsus. Welche Magie sollen wir kennen und meiden? Es ist jene, die den Menschen binden will durch Angst, die versucht, die Seele aufzufressen, ja zu töten, damit der Mensch fügsamer Streber und gehorsamer Roboter bleibt. Es ist die Magie des Aberglaubens.

Alles Magie

Die dunklen Wolken der Angst, die unser Bewusstsein lähmen, ja lähmen, lassen uns erstarren und den Atem gefrieren, damit wir im alten Leben stecken bleiben, in Abhängigkeiten ebenso wie in illusionären Wunschvorstellungen (meist gehören die Dinge sowieso zusammen). Beispiele dafür sind bekannte Werte wie Geld, Macht, Ruhm und auch Versprechungen wie der Platz im Paradies oder das Leben wie Gott in Frankreich. Das Werkzeug, mit dem der Mensch erreicht und bearbeitet wird, sind Medien (Medium = Mitte). Es müssen nicht unbedingt nur die bekannten Massenmedien, das können auch ganz leicht unsere lieben Mitmenschen sein, Verwandte, Freunde usw., die ihre eigenen Ängste, ihr eigenes nicht gelebtes Leben auf ihre Mitmenschen zu übertragen trachten. Denn in der Angst hat man seit jeher ein besseres Gefühl, wenn man zu zweit oder mehr ist. Das ist eine bekannte Sache, man denke in diesem Zusammenhang an die kollektiven Mechanismen, die Verhältnisse der Unfreiheiten hervorbringen können. Auch da wirkt die Magie der Angst, verbunden mit Größenwahn und Kadavergehorsam, wodurch Völker sogar in Kriege getrieben wurden und werden.

Die Kräfte der Beharrung, wie Macht und Gewinnstreben, haben kein Interesse an selbstbewussten, freien Menschen, die prüfen, bevor sie das Gute behalten. Verleugnet der Mensch seinen Lebenskern, seine Lebensessenz, diesen berühmten Funken des Wesentlichen in sich, dann bleibt er wie ein ausgebeutetes, verhetztes Tier. Wen sollte es nun wundern, wenn er dann – da die Seele fremd und dunkel wird – auch körperlich erkrankt? Er erkrankt durch nicht gelebtes Leben (das gilt nicht nur für die Krebserkrankung; siehe auch „Wendezeit der Medizin, Band 1: Die Erneuerung der Heilkunst“, Kapitel: Krebs – das nicht gelebte Leben).

Ein Beispiel aus der Natur

Wandelröschen blühen den ganzen Sommer über; ihre Farben wandeln sich, was ihnen den Namen gab. Wir hatten vor unserem Fenster ein solches Wandelröschen, das aber im Frühjahr etwas zäh trieb und den ganzen Sommer über keine einzige Blüte hervorbrachte. Wir ersetzten deswegen die alte Erde des Stocks mit frischer – und nach zwei Wochen hatten wir die ersten Blüten. Die, die es nicht wussten, wunderten sich über die plötzliche Blütenpracht eines gesunden Blumenstockes. Natürlich könnten wir von Magie sprechen. Doch es ist nun einmal so: alte, harte, karge Erde lässt das Leben gerade mal vegetieren, nicht aber zur Blüte bringen. Und da wir dann noch regelmäßig mit Brennesseljauche düngten, nahm die Blütenpracht – zur Freude für alle Vorbeigehenden – kein Ende, das Wandelröschen blühte sogar noch Mitte November. Darum: Natur verstehen und ihr dienen, ja dann wird es gedeihliche Verhältnisse geben.

Magie des Lichtes

Und nun bleibt uns, jene Magie zu untersuchen, die wir auch kennen und die wir nutzen sollen für die befreienden Werke. Sind wir bei der ersten Art der Magie Opfer von Angst und Aberglauben und fließen unsere Lebenskräfte dadurch von uns fort, so soll uns die zweite Art der Magie zur Verwirklichung des Wesentlichen führen. Es ist die Magie des Lichtes, die Magie des Lebens und der Genesung von allem Kranken. Wie geschieht dies? Dadurch, dass alles Natürliche sich so entwickeln kann, wie es seiner Art entspricht. Der Mensch ist ein Wesen zweier Naturen: die sichtbare äußere und die meist nur geahnte, nichts desto trotz existierende innere. Letztere ist die Natur des Menschen und hat zu tun mit einer Gegebenheit, die wir alle kennen, die wir aber sehr oft nicht nutzen: Seelen-Intuition, die Sprache aus dem Inneren. Dazu gehören die Augen und die Ohren des Herzens, auch das Denken mit dem Herzen – nicht des Bauches, da sitzen die Angst, das Unbehagen, die Sorge, an die sich die Magie des Irrtums richtet. Die Intuition, die Seelen-Intuition, will uns ständig in die Gegenwart ziehen, ins Hier und Heute – und nur da ist Leben, Leben und Genesung, Kraft und Feuer. Es ist auch die Magie des Herzens, wie die Sufis sie nennen, der Platz des Feuers, aus dem der erneuerte Mensch wiedergeboren wird wie Phönix, der ständig seiner Asche entsteigt.

Nochmals zu dem Beispiel des Blumenstockes: Die Aufmerksamkeit der Pflanze gegenüber, das Erkennen der Ursachen ihres kränklichen Vegetierens und die rechte Tat, also die Arbeit, die Erde zu erneuern, führten zum Blühen der Pflanze. Sollte unser Äußeres nicht auch guter Boden sein für die Werke, die aus dem Inneren geboren sich im Außen als Signatur des Lebens zeigen wollen?

Magie zur Genesung

Für die Magie zur Genesung braucht es:
Durchlichtung der Welt – der inneren wie der äußeren;
Selbsterkenntnis – philosophisch und psychologisch;
Selbstverantwortung – alle Antworten des Lebens können wir in uns finden (wenn wir dazu bereit sind);
Selbstheilung – Befreiung von den Schwerkräften einer alten, vergangenen Zeit und atmen in den Feldern der Gegenwart und des Lichtes.

* * *

(Dieser Artikel wurde leicht verändert dem Buch “Wendezeit der Medizin, Band 2: Zur Kunst der Selbstheilung” entnommen.)

Klaus Bielau

Dr. Klaus Bielau, Jahrgang 1955, absolvierte von 1975 bis 1977 ein Regiestudium an der Kunsthochschule Graz, danach Theaterarbeit bis 1988. 1980 Begegnung mit der Homöopathie, begann deswegen mit dem Medizinstudium, Promotion 1986. Seit 1990 führt er eine rein homöopathisch ausgerichtete Praxis; war Vortragender und Lektor für Homöopathie an der Uni in Graz sowie an den Paracelsus-Schulen in Graz und Wien.
Er ist Kolumnist und Redakteur der Zeitschrift Pulsar; er verfasst Bücher, Essays und Erzählungen über Heilkunde, Paracelsus und die Wege des Menschen zur Autonomie. Lebt mit seiner Familie in Graz.

Buchveröffentlichung beim Verlag Zeitenwende: Wendezeit der Medizin, Band 1: Die Erneuerung der Heilkunst (2008); Wendezeit der Medizin, Band 2: Zur Kunst der Selbstheilung (2010); Wendezeit der Medizin, Band 3: Zur Kunst des Einfachen (2013)

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