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Mit Kindern auf dem Jakobsweg

Kategorien: Bewusstsein, Gespräche, Lebensführung, Zeitgeschehen

Mit seinen Jungs lief Frank Rose die letzten 100 Kilometer des Jakobsweges. Sie erhielten dafür in Santiago de Compostela nicht nur die Pilgerurkunde, sie brachten zudem zahlreiche Erlebnisse und prägende Erfahrungen mit nach Hause. Lesen Sie hier das Interview mit Frank Rose.


Sven Henkler:
Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist doch im Grunde eine »Erwachsenensache«. Wie kam es dazu, dass Sie mit Ihren beiden Kindern und Ihrem Neffen einen Teil des Camino de Santiago gingen?

Frank Rose: Den Vorschlag machte ursprünglich meine Tochter; sie hatte im Internet gelesen, dass für den Erhalt der Pilgerurkunde das Laufen der letzten 100 Kilometer ausreichend ist. Letztlich kam meine Tochter dann doch nicht mit, sie hatte aber die Jungs mit ihrer anfänglichen Begeisterung angesteckt!

Sven Henkler: 100 Kilometer – das scheint auf den ersten Blick nicht allzu schwierig zu sein, wenn man bedenkt, dass man doch ausreichend Zeit dafür einplanen kann. Ist es letztlich auch so?

Frank Rose: Das ist auch so! Das ist weder ein Leistungsmarsch noch ein sportlicher Wettkampf. Hier geht es darum, in einer Geschwindigkeit, die einem angenehm ist, den Weg zu meistern. Mental schwierig ist es vor allem für die jungen Mitwanderer auch deshalb nicht, weil am Ende des Weges ja auch etwas wartet, das einen Erinnerungswert für sie hat, nämlich die Pilgerurkunde. Und wenn dieses Blatt Papier für sie eine so große Bedeutung hat, um diese 100 Kilometer zu gehen, warum nicht! Manch einer mag das für banal halten, doch diese Pilgerurkunde wird sie wahrscheinlich ihr Leben lang an einen außergewöhnlichen, vielleicht auch prägenden Urlaub erinnern.

Sven Henkler: Hatten Sie anfangs oder während der Wanderung die Befürchtung, dass diese Unternehmung ob der jungen Begleiter scheitert?

Frank Rose: Anfangs sicherlich, zumal wir über keinerlei gemeinsame Wandererfahrung verfügten. Außerdem hatte ich überhaupt keine Vorstellung vom Leistungszustand meines Neffen. Nach dem ersten Tag hatte ich allerdings keinerlei Bedenken mehr – und in Santiago angekommen, waren sie erst richtig eingelaufen!

Sven Henkler: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die Wanderschaft auf dem Jakobsweg für Sie und die Kinder ein einzigartiges Erlebnis war, aber auch, dass diese einen hohen therapeutischen Effekt hinsichtlich der Eltern-Kind-Beziehung hat oder haben kann. Können Sie kurz das erläutern?

Frank Rose: Heutzutage kommt der Faktor Zeit in der Familie meist zu kurz, und so sitzt man vor allem als Vater nicht immer in der ersten Reihe, was den Zugang zu den Kindern und deren Erziehung betrifft. In den paar Tagen auf der Wanderschaft kann dies zwar nicht alles wettgemacht werden, dennoch kann und wird dies sowohl für die Kinder als auch für die Eltern eine sehr prägende und in vielerlei Hinsicht »heilende« Unternehmung sein. Ich selbst bekam beispielsweise zu meinem Jüngsten eine Nähe, die ich sonst – im Alltag – so wahrscheinlich nicht hätte aufbauen können. Es kommen da so viele Faktoren zusammen, die man sonst nicht hat. Alleine das mehrtägige, nahezu andauernde Hand-in-Hand-Gehen mit ihm war eine unglaubliche Erfahrung.
Die meisten Urlaube sind doch heute geprägt von dem Drang, Action erleben zu wollen. Wahre Nähe und richtiges Zeit-Haben füreinander kommen da eigentlich nicht zustande. Wenn Sie aber tagelang nebeneinander herlaufen und dauerhaft beisammen sind, passieren erstaunliche Dinge – das kann ich Ihnen versprechen!

Sven Henkler: Welche Empfehlungen können Sie an dieser Stelle und in aller Kürze hinsichtlich der Vorbereitungen und der Wanderung selbst geben? Ab welchem Alter kann Ihrer Meinung nach die Reise angetreten werden und inwieweit können die jungen Begleiter Mitgestalter der ganzen Sache sein?

Frank Rose: So ganz pauschal geht das, so glaube ich, nicht. Es gibt Menschen, die immer einen Verhinderungsgrund finden, und welche, die einfach loslegen. Ich persönlich probiere gerne etwas Neues aus, weil ich gerne dazu lerne. Reiseführer und Ausrüstung gibt es in Hülle und Fülle und für jeden Geldbeutel. Wir haben alles zusammen geplant – und allein das hat eine Menge Spaß gemacht!
Zum Alter: Meine Jungs waren 12, 13 und 14 Jahre, als wir den Jakobsweg gingen. Ich habe aber auch von Eltern gehört, die mit ihren sechs-, acht- oder zehnjährigen Kindern unterwegs waren. Es ist alles eine Frage der Zeit, die man einplant, und der Motivation.


Literaturhinweis:

Frank Rose: Mit Kindern auf dem Jakobsweg
Klappenbroschur: ISBN 978-3-934291-63-8
Preis: 15,80 Euro (D)

E-Book: ISBN 978-3-934291-97-3
Preis: 11,99 Euro

Verlag Zeitenwende

 

Sven Henkler

Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung.
Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de):
- Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen)
- Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010)
- Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen)
- Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)
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Autor: Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung. Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de): - Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen) - Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010) - Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen) - Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)

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