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Mysterium Weib: das verborgene Wesen der Frau

Betrachtet man das Wesen Mann und das Wesen Frau urbildhaft, so werden sämtliche Gender-Mainstreaming-Denkansätze ad absurdum geführt. Warum das so ist, wird in diesem Interview mit Oliver Ritter, in welchem es vor allem um die Rolle der Frau geht, deutlich.

Sven Henkler: Herr Ritter, nach Ihrem Buch „Magische Männlichkeit“ erschien vor 10 Jahren das Pendant „Mysterium Weib. Das verborgene Wesen der Frau“, das nun als E-Book unverändert wieder erhältlich ist. Der Begriff „Weib“ ist sicher nicht zeitgemäß, ihm haftet im Allgemeinen negatives an. Warum wählten Sie gerade diesen in den Titel? Und warum ist das Buch 10 Jahre nach seinem ersten Erscheinen noch immer aktuell – oder ist es vielleicht nötiger als je zuvor?

Oliver Ritter

Oliver Ritter: Der Begriff „Weib“ klingt nur aus einer verschobenen Perspektive heraus negativ. In Wirklichkeit ist er kraftvoll und geht aufs Ganze. Denken Sie an jene dramatische Stelle im „Lohengrin“, wo der Ritter nach seinem Namen gefragt wird. „Elsa, mein Weib!“, ruft er aus. Wie klänge es, wenn er riefe: „Elsa, meine Frau!“ Das Weib ist die Frau in ihrer naturhaften Lebensfülle, die ihr Macht und Faszinationskraft verleiht. Das Wort wird zurückgeführt auf das indogermanische „ueip(b)“, was drehen, umwinden, verhüllen bedeutet. Damit sind wir auch schon beim Mysterium, das in diesem Buch – mit großem Respekt – zum Thema gemacht wird.
Um auf Ihre zweite Frage zu antworten: Das Buch ist so nötig wie eh und je, denn der Zeitgeist hat sich noch nicht verändert. Er ist etwas träge, er reagiert nicht so schnell auf die Leser und Leserinnen. Aber ein neues Bewusstsein wird kommen, ist unausweichlich. Jeder Einzelne hat die Macht, ein Licht zu setzen.

Sven Henkler: „Frauenbücher“ wurden bisher meist von Frauen geschrieben – wohl weil sie wissen, worüber sie schreiben. Wie kommt ein Mann dazu, über das „Mysterium Weib“ zu schreiben? Betreten Sie da ein Gebiet, für deren Eintritt der Mann nicht befugt zu sein scheint?

Oliver Ritter: Ob Frauen, die Frauenbücher schreiben, immer wissen, worüber sie schreiben, sei mal dahingestellt. Der Mann ist – prinzipiell – deshalb befugt, weil er die Frau in sich trägt beziehungsweise getragen hat. Denken Sie an Adam, aus dessen Seite die Frau genommen wurde. Eine Erinnerung an das „Eigene“ klingt noch nach.
Davon abgesehen schreibt man(n) solche Bücher nicht aus dem Schisslaweng. Ich zumindest habe mich etwa 20 Jahre mit der Thematik beschäftigt, bevor es zu „Magische Männlichkeit“ und kurz darauf zu „Mysterium Weib“ kam. Beides lässt sich ja gar nicht trennen.
Ich darf auch sagen, dass Frauen mir für das Buch eine wertvolle Hilfe waren. Abgesehen von Privatpersonen denke ich vor allem an Dr. theol. Ursula von Mangoldt und die große alte Dame der deutschen Literatur Gertrud von Le Fort. Auch Vertreterinnen der analytischen Psychologie (Esther Harding, Toni Wolff, Marie-Louise von Franz) gaben mir wichtige Anregungen, nicht zuletzt Schriftstellerinnen wie Unica Zürn oder Gina Kaus. Man mag einwenden, dass diese Damen allesamt älteren Semesters sind, aber das Weib gibt es ja schon lange, und die Entgleisungen der Geschlechter waren auch schon vor 50 Jahren akut. Die genannten Autorinnen haben den Vorteil, dass sie über eine fundierte Bildung verfügten. Sie konnten deshalb gelassen, aber auch mit Entschiedenheit Stellung beziehen. Moderne Schriftstellerinnen, die ebenfalls bei mir einfließen, haben fast immer Ressentiments, besonders die sogenannten Esoterikerinnen.
Worauf ich aber hinauswollte: Männliche und weibliche Sichtweise relativieren sich, zumal ich im Grundsatz ein Wissen aufgreife, das „menschheitlich“ ist, in den alten Kulturen immer vorhanden war und seine Entsprechung in Tiefenschichten der männlichen und weiblichen Seele findet.

Sven Henkler: Sie schreiben in Ihrem Buch: „Es gibt heute Frauen, die sagen, die Befreiung der Frau müsse erst noch stattfinden. Solche Erkenntnis erfordert Mut, stellt sie doch alles in Frage, wofür die Frauen so sehr gekämpft haben. Man könnte noch weitergehen und sagen, die Frauenbewegung sei eine einzige Rolle rückwärts gewesen, nicht revolutionär, sondern reaktionär. Indem sie Äußerlichkeiten und materiellen Vorteilen nachjagten, haben die Frauen das wichtigste Recht überhaupt aus der Hand gegeben: sie selbst zu sein.“ Ist das „verborgene Wesen der Frau“ Ihrer Meinung nach erst durch die Ambitionen moderner Feministinnen in die Verborgenheit getreten, oder trägt die Frau schon immer etwas in sich, das im Verborgenen ruht?

Oliver Ritter: Teils-teils. Die „Feministinnen“ haben das Weib ja zugrundegerichtet. Das Weib ist Löwin, die Frau eine Katze, die „Feministin“ ein Neutrum. Bei modernen westlichen Frauen muss man schon lange bohren, um etwas Essenz zu finden. Insofern: Verborgenheit. Andererseits ist das Weib eo ipso verborgen, wie schon der Wortsinn zum Ausdruck bringt. Das Weib wirkt unter dem Schleier wie die Natur, ist geheimnisvoll, unergründlich. Mond, Nacht, Seele, Empfängnis, Reifung und Wachstum sind dem Weiblichen zugeordnet, auch das Zwiespältige, Widersprüchliche. Das Weib hat eine viel größere Bandbreite archetypischer Ausdrucksformen als sie dem Mann zur Verfügung steht. Der Mann ist entweder ganz oben (König, Krieger, Magier, Priester) oder ganz unten (Männchen, Arbeitstermite). Das Weib ist alles dazwischen. Ein schillernder Nebelstreif, der sich von den Sternen bis in die Unterwelt zieht. Ich habe die weiblichen Archetypen beschrieben, sie sind faszinierend.

Sven Henkler: Welche weiblichen Archetypen oder Urbilder gibt es?

Oliver Ritter: Ihre Zahl und Benennung ist nicht genau festgelegt. Traditionsgemäß gelten die „Mutter“ und die „Geliebte“ als grundlegende Archetypen, da sich das Weibliche weitestgehend in ihnen verwirklichen kann. Daneben habe ich aufgeführt die „Schamanin“ mit ihren Möglichkeiten als Heilerin, Seherin oder Hexe, die „Bezaubernde“, unter der ich Erscheinungen wie die Muse, die Nymphe, die Anima oder die Sirene beschrieben habe, und schließlich die „Jungfrau“. Die weiblichen Urbilder haben ausgeprägt helle und dunkle Seiten, sie können sich gegenseitig ergänzen oder durchdringen und im Leben einer jeden Frau gegenwärtig sich auch in ihrer Biographie ablösen. Diese Urbilder wieder ins Bewusstsein zu rufen, ist heute von größter Bedeutung. Sie bieten einen je andersgearteten Zugang zum weiblichen Universum. Es gibt interessante Möglichkeiten, sie zu erwecken, ich habe darüber geschrieben.

Sven Henkler: Das Geschlecht übersteigt die Biologie. Was setzen Sie in Ihrem Buch der biologistischen Denkweise – die Sie ja anprangern – entgegen?

Oliver Ritter: Eine realistische Denkweise. Der Mensch ist im Weltganzen kein erratischer Block, wie seinsvergessenes Denken glauben macht, sondern eingebettet in ein geschlossenes Sinngefüge, dessen Fäden sich in ihm kreuzen. Die biologische wie auch die psychologische oder soziologische Untersuchung der Geschlechtereigenschaften kann immer nur Teilwahrheiten zutage fördern. Da sie in keiner Weise zur Wurzel vordringen, bieten die Ergebnisse der Humanwissenschaften ein oberflächlich-widersprüchliches Sammelsurium, das weder die Frage nach der Bestimmung von Mann und Frau zu lösen vermag noch eine verbindliche Ethik für ihr Zusammenleben bereithält. Diese Verwirrung ist aber typisch modern und sozusagen ein Ausnahmezustand. Zu allen Zeiten war sich die Menschheit darüber im Klaren, dass die Geschlechter Abbilder einer übergeordneten Wirklichkeit sind. Sie wurden als Spiegelung der im Kosmos wirkenden Urprinzipien aufgefasst, die ihnen göttliche Legitimität verliehen. Die Polaritäten bildeten auch die fraglose Grundlage der beiden unterschiedlichen Wege von Mann und Frau. An dieses Wissen der Traditionswelt knüpfe ich an.

Sven Henkler: Welche grundsätzlichen metaphysischen Gegensätze bestehen zwischen Mann und Frau, die nicht aufgehoben werden dürfen beziehungsweise können – auch wenn sich der moderne Mensch noch so sehr über diese Gegensätzlichkeiten hinwegsetzen will?

Oliver Ritter: Als Prinzip verstanden hat das Männliche die „Natur des Himmels“, das Weibliche die „Natur der Erde“ – Yang und Yin, Schiwa und Schakti. Daraus leitet sich alles ab, hier liegt auch der Schlüssel zur Deutung der männlichen und der weiblichen Psychologie verborgen, bis ins kleinste Detail. Grundsätzlich ist der Mann eher „aktiv“, dem Schöpferischen verbunden, die Frau „passiv“, was aber nicht träge bedeutet, sondern empfänglich, rezeptiv. Der Mann ist eher „für sich“, unabhängig und damit zur Führung bestimmt, die Frau lebt in der Bezogenheit. Beziehungnahme, Intuition, das Hinauslauschen auf die Stimme des Lebens sind Schätze der weiblichen Seele, die niemals so dringend benötigt wurden wie heute. Man kann die Gegensätze des Männlich-Weiblichen, die in Wahrheit Ergänzungen sind, nicht ungestraft aufheben oder verändern. Sie sind nicht allein partnerschaftlich, sondern auch ökologisch gesehen unentbehrlich. Was im Kleinen gestört ist, wirkt sich verhängnisvoll auf das Große aus.

Sven Henkler: Eine Ihrer Forderungen an moderne Frauen ist: „Hört auf, ein zweit- oder drittklassiger Mann zu werden, trachtet danach, eine erstklassige Frau zu sein!“ Können Sie diese Aussage bitte kurz erläutern? Vielleicht können Sie in diesem Zusammenhang auch auf eine frühere Aussage eingehen, dass Frauen Anlagen haben, „die wesentlich interessanter sein dürften als die, für die sich der Feminismus so sehr ins Zeug legt“.

Oliver Ritter: Die Frauenbewegung hatte ja die verborgene Implikation, eine Männerbewegung zu sein. Der Mann mit seinen scheinbaren Freiheiten galt als Orientierungspunkt. Was er hatte und tat (einen Beruf ausüben, zur Urne schreiten, Zigaretten rauchen, fremdgehen, Autofahren und lange Hosen tragen), wollte auch die sich emanzipierte Frau erreichen. Nur war das nicht der authentische Mann, dem sie nacheiferte, sondern eine Verfallserscheinung der industriellen Gesellschaft. Da sie das Minderwertige nur kopieren konnte, entstand etwas noch Minderwertigeres, die Frau wurde also doppelt betrogen oder betrog sich selbst: Ihr Eigenes, nämlich ihr Frausein, verlor sie, was sie erstrebte, verwirklichte sie als schlechte Kopie und fühlte sich, wer sollte es ihr verdenken, dabei nicht wohl. Inzwischen brauchen die Frauen wenigstens nicht mehr um ihre Selbstentfremdung zu kämpfen, sie wird ihnen schon in die Wiege beziehungsweise den Kindergarten oder die Schule gelegt.
Da heute immer mehr Frauen merken, was los ist, gilt es die noch verbliebenen Kräfte zu bündeln und entschieden das eigentlich Weibliche zu verwirklichen. Es ist deshalb so interessant, weil es, wie schon gesagt, reichhaltig facettiert ist, womit sich verschiedene, durchaus persönlich gestaltbare Wege zur weiblichen Ganzheit auftun. Jeder weibliche Archetyp, wenn er hingebungsvoll gelebt wird, hat seine ihm eigene Religiosität und Erhabenheit. Er bietet den Zugang zu elementaren Mächten, die unser Leben schon immer begleitet haben. Die heutige Menschheit hat sich dagegen nur blind gemacht; sie hat sich in einer Kunstwelt verschlossen, in einen Hightech-Käfig, und dort verhühnert sie immer mehr. Die Frauen, die weibliche Qualitäten entwickeln, könnten hier Breschen schlagen und damit ein Werk der Befreiung beginnen. Die Frauen müssen vielleicht tatsächlich den Anfang machen, der Mann ist zu stur.

Sven Henkler: Zur Urdomäne des Weiblichen zählen Sie das Kochen, Backen, Gären, die Zubereitung des Rauschtrankes, das Spinnen, Weben und Töpfern. „Frauen in die Küche“, könnten die emanzipierten Frauen, aber auch der Männer zynisch darauf antworten. Sie hingegen bezeichnen diese Tätigkeiten als symbolgesättigte Rituale. Gegensätzlicher können die Auffassungen nicht sein. Denken Sie, dass Ihre Aussage von den Verfechtern der Emanzipation anerkannt und nicht als „ewig-gestrig“ bezeichnet wird? Oder legen Sie auf deren Einwände wenig wert?

Oliver Ritter: Die Küche als Abstellkammer für Frauen zu sehen, beweist einen engen Horizont. Es geht auch nicht um die Küche (oder nicht nur), sondern um jenen geschützten Innenraum (das „Heimische“, eventuell auch das „Heimliche“), den die Frauen als Seelenwesen benötigt, um ihre weiblichen Anlagen zu entfalten. In der Frühkultur waren genannte Tätigkeiten ein Einweihungsweg, der die Frau an den weiblichen Urmysterien teilhaben ließ. Kochen, backen, spinnen, weben, töpfern und anderes wurden als Ritus verstanden, nicht als profane Verrichtung, das heißt, die Bewusstseinshaltung war ausschlaggebend. Gedankenlos abgewickelt oder gar als Erniedrigung aufgefasst haben die Tätigkeiten natürlich kaum einen Wert. Die ihnen eigene esoterische Dimension kann ich hier nur andeuten. Sie hängt damit zusammen, dass sie mit der Natur des Weiblichen, insbesondere seiner Gefäß-Eigenschaften, in geheimnisvollem Zusammenhang stehen. Wesentliche Teile der Frühkultur wurden von Frauen ins Leben gerufen, nicht indem sie etwas „erfanden“, sondern einfach nur dadurch, dass sie dem eigenen Rhythmus folgten. Die Projektionen wirkten dann unmittelbar auf die weibliche Seele zurück, bis dahin, dass Frauen priesterliche und seherische Funktionen erfüllten. Im Umgang mit dem Erdhaften, ganz Konkreten, zwischen Kindern, Küche und Kirche – vielmehr heiliger Herdflamme – wuchsen den Frauen Kräfte zu, die der Traum jeder Feministin sind. Insofern müssten die Feministinnen eigentlich meine Aussagen loben. Aber wir haben ja schon den Verdacht geäußert, dass sie die Frauen gar nicht im Blick haben. Wie ich vor kurzem hörte, sitzen im Aufsichtsrat der Zeitschrift „Playboy“ mehr Frauen als Männer.

Sven Henkler: Ein zu Kontroversen aufrufender Punkt in Ihrem Buch ist die Frage nach dem Kopftuch. In Europa und mittlerweile auch in vom Westen beeinflussten islamischen Ländern wird das Tragen des Kopftuches als Diskriminierung der Frau angesehen. Sie sehen das Tuch als das Symbol einer „neuen“ Frauenbewegung. Wie stellen Sie sich das vor? Warum ist gerade das Kopftuch Ihrer Meinung nach das geeignete Symbol?

Oliver Ritter: Das Kopftuch kann ausgerollt zur Revolutionsfahne werden, mit der das Weib aus der Finsternis seiner Entmachtung ins Morgenrot seiner Auferstehung tritt. Um den Kopf gebunden hat es den Vorteil, dass es recht harmlos aussieht, aber die Machthaber zittern bereits. Sie ahnen, was auf sie kommt. Tuch und Schleier sind die perfekten Symbole des Weiblichen, das hat nichts mit Diskriminierung zu tun.
Wenn wir das Tuch in seiner Beziehung zur Umwelt betrachten, fallen sofort zwei Eigenschaften ins Auge. Zum einen das Bergen (im weiteren Sinne Behüten, Beschützen, Wärmen, Bewahren), zum anderen das Ver-bergen. Beides gehört untrennbar zusammen. Es ist das Prinzip, nach dem das lebendige Leben, das Schöpferische in der Natur verfährt. Ohne schützende Hülle kann Leben auf dieser Erde nicht existieren. Die Auflösung der Ozonschicht ist die drastische letzte Antwort auf einen verirrten menschlichen Geist, der seit Jahrhunderten nur noch das Sichtbare und Verfügbare anstrebt und die Erde wie die persönliche Existenz jedes Einzelnen in eine ausgeleuchtete Wüste verwandelt. Die Frau als Hüterin der Naturkräfte sollte beim Tuch in die Lehre gehen, vor allem auch, um sich selbst zu schützen. Was mit der Natur geschieht, wird zuallererst auch der Frau angetan. „Im Bild der Frau spiegelt sich das jeweilige Bild der Welt“, schrieb Dr. theol. Ursula von Mangoldt.
Eine Frau, die ein Tuch trägt, kann damit zeigen, dass sie ihre Integrität bewahrt. Sie gibt sich eine Privatsphäre, schützt ihre Innerlichkeit. Sie bekennt sich zu den natürlichen Ansprüchen ihres Weibseins, die über Jahrtausende fraglos anerkannt wurden. In einer Welt, die besessen ist, alles offenzulegen und bloßzustellen, wird das Tragen des Tuches allerdings zum Politikum. Dieser Entwicklung gilt es ins Auge zu sehen. Das Tuch hat heute eine gewisse Schärfe, es vermittelt die Botschaft: Ich grenze mich ab gegen eine Gesellschaft, die nicht mehr die Ehrfurcht kennt, die Frauen in männliche Arbeitsprozesse einspannt und ihren Körper als Reizobjekt ausbeutet.
In Zeiten des Niedergangs steigt das Frauentuch zu besonderer Würde auf. Es spannt einen magischen Bannkreis um seine Trägerin, dessen Ausstrahlung auch begriffen wird. Muslimische Mädchen schätzen das Tuch vor allem, weil es sie schützt, von den Jungen „angebaggert“ zu werden.
Das Tuch kann zum Wahrzeichen einer neuen und diesmal echten – weil weiblichen – Frauenbewegung werden. Es hat den besonderen Vorteil, dass es ein kleidungsmäßiges Zubehör ist, recht unscheinbar aussieht und so ein gefälliges Instrument der Vernetzung bietet. Jede Frau, die eine andere damit erblickt, weiß Bescheid und fühlt sich gestärkt. Westliche Frauen können die Brücke zu ihren islamischen Mitschwestern schlagen, ohne die eigene Tradition zu verleugnen. Auch im Abendland waren Tuch und Schleier schon immer Bestandteil der weiblichen Ausstattung. Das Tuch als weibliches Ursymbol ist integrativ. In seinem Schatten haben verschiedenste Religionen und Weltanschauungen Platz. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine globale Vernetzung aller weiblich ausgerichteten Frauen ermöglicht. Solch ein Zusammenschluss wäre sehr zu wünschen, denn nur dadurch könnte der „Globalisierung“, die nichts anderes bedeutet als die ultimative Vernichtung aller geistigen, seelischen und körperlichen Lebensgrundlagen, Einhalt geboten werden.

Literaturhinweis:

 

 

 

Oliver Ritter: Mysterium Weib. Das verborgene Wesen der Frau
E-Book, ca. 200 Seiten, ISBN 978-3-934291-92-9
Preis: 11,99 Euro (D)
Verlag Zeitenwende

Sven Henkler

Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung.
Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de):
- Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen)
- Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010)
- Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen)
- Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)
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  1. Vielleicht ist das eine interessante Ergänzung zum Thema.
    Ich hoffe eine Linkeinbindung ist möglich und gestattet.
    https://www.youtube.com/watch?v=w8xCRdoo2TA
    Der Titel des Videos ist leider etwas irritierend. Es geht um
    die Göttinnen, das Matriarchat und deren Historie.

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