Wandelthek

Netzmagazin für Bewusstsein und Wandel

rqg_tumb

Runen bewegen: das Runen-Qi-Gong

Kategorien: Bewusstsein, Gespräche

Norbert Paul hat über viele Jahre aus den germanischen Runen ein fließendes Bewegungssystem entwickelt: das Runen-Qi-Gong. Wie dieses entstand und was es auf der physischen, energetischen und mentalen Ebene des Menschen bewirkt, erklärt er in diesem Interview.

Sven Henkler: Herr Paul, Sie haben aus den „statischen“ Runen ein Bewegungssystem entwickelt, das nach Ihrer Aussage den Wirkprinzipien asiatischer Bewegungslehren in nichts nachsteht. Bitte stellen Sie das Runen-Qi-Gong bitte kurz vor und erläutern die Gleichnisse zu den östlichen Systemen.

Norbert Paul: Gerne. Das Runen-Qi-Gong ist ein Übungssystem, in dem alle Übergänge von einer zur anderen Position beziehungsweise Runen-Stellung fließend sind, ruckartige oder gegenläufige Bewegungen werden vermieden. Es wird der gesamte Körper durchbewegt, verdreht und gedehnt. Doch nicht nur die Muskulatur wird mit dem Runen-Qi-Gong angesprochen, sondern auch die inneren Organe und die knöchernen Strukturen des Körpers. Zwei Beispiele sollen das kurz verdeutlichen: Durch spezifische ineinander fließende Runen-Bewegungen, durch welche die inneren Organe zunächst Raum bekommen und dann bei gleichzeitiger Drehbewegung wieder eine Komprimierung stattfindet, ist es möglich, dass diese besser durchblutet werden und wieder ihren optimalen Platz finden. Eine andere Sequenz hebt und senkt den Brustkorb bei gleichzeitiger Torsion zu Maximalpositionen und erweitert dadurch nicht nur den Atemhub des Brustkorbs im Allgemeinen, was ein tieferes und leichteres Atmen zur Folge hat, es aktiviert auch die Bandscheiben der Wirbelsäule und verbessert die Flexibilität im gesamten Rumpf.
Ein anderer Punkt ist, dass mit dem Runen-Qi-Gong das gesamte Energiesystem mobilisiert wird. Meridiansystem, Leitbahnensehnen, Lenkergefäße, Energieverteilungspunkte und das Chakrensystem werden umfangreich stimuliert. Alleine damit deckt das Runen-Qi-Gong zahlreiche physisch-energetische Bereiche ab, für die in asiatischen Stilen durchaus verschiedene Übungssysteme herangezogen werden müssen.
Doch das Runen-Qi-Gong reicht noch weiter: Es benutzt als sogenannte „Figuren“ die alten, in unserem Kulturkreis verankerten Runen, die nicht nur unser historisches Erbe, sondern auch kraftvolle Energie- und Funktionssymbole sind. Deren Kraft wird beim Ausüben des Runen-Qi-Gongs aktiviert und verstärkt. Die physische und die energetische Ebene des Übenden werden durch die Runensymbolik um diesen kraftvollen Bereich deutlich erweitert. Das hat zur Folge, dass durch die fließenden Bewegungen nicht nur Blockaden gelöst, das Energiesystem aktiviert und Energie von außen dem eigenen Inneren zugeführt werden, sondern durch die Runensymbolik wird im eigenen Selbst Energie erzeugt. Diese Nutzung zweier Energiequellen ist auch der Grund, weshalb Runen-Qi-Gong-Neueinsteiger schon innerhalb weniger Stunden einen deutlichen Energieanstieg verspüren.
Als letzter und nicht unerheblicher Punkt sei angemerkt, dass sich über das Runen-Qi-Gong auch die ganze spirituelle Tiefe und Weite der westlichen Naturspiritualität eröffnen kann, wenn man das möchte. Wie auch bei einigen östlichen Bewegungssystemen kann die anfängliche reine Körper- und Energiearbeit beim Praktizierenden später auch zu tieferen Ebenen des Seins führen, zu Spiritualität und Weisheit des westlichen Kulturkreises. – Also ja, dieses Übungssystem ist den bekannteren asiatischen Systemen mindestens gleichwertig.

Sven Henkler: Das Runenstellen oder die Runengymnastik sind ja seit Längerem bekannt, es gibt sogar Behauptungen, wonach die körperhafte Runendarstellung ursächlich für den Yoga ist. Was meinen Sie, gibt es da einen Zusammenhang, beziehungsweise glauben Sie, dass es in früheren Zeiten Runenübungen, in welcher Form auch immer, in Europa gab?

Norbert Paul: Hier bewegen wir uns, wie so oft in Bezug auf unsere historischen Wurzeln, im Bereich der Spekulationen. Runenstellen und Runengymnastik sind ja nicht wirklich „alt“ und schon gar nicht „historisch“, soweit man den Zeitraum betrachtet, in dem – wie auch immer – mit Runen tatsächlich gearbeitet wurde. Die Problematik ist, dass wir zu diesem Thema im Grunde nichts Genaues wissen. Auf der einen Seite verfügen wir über keine echten und haltbaren Überlieferungen, die auf ein Übungssystem hinweisen, das auf Runen aufgebaut ist. Wenn überhaupt, dann gibt es hier und da nur „Hinweise“, dass Runen mehr als eine rituelle und/oder magisch-mystische Schriftsymbolik waren. Auf der anderen Seite haben wir den gesunden Menschenverstand, der uns sagt, dass der damalige Lebenswandel in der Form ohne kräftigende und gesunderhaltende Maßnahmen gar nicht möglich gewesen wäre. Was läge da näher, als die Runen auch als Übungssystem zur körperlichen und energetischen Stärkung zu nutzen und sich damit gesund und vital zu erhalten?
Bedenkt man weiterhin, dass zu Zeiten des Runengebrauchs die Völker unseres Kulturkreises weitreichende Handelsbeziehungen mit anderen pflegten, die bis nach Indien und weit darüber hinaus reichten, kann es gut sein, dass auch die Runen ihren Weg in das ein oder andere Land fanden, dort assimiliert und angepasst wurden und sich zu lokalen Bewegungssystemen entwickelt haben. Inwieweit sich dies hinsichtlich der Entstehung des Yoga oder einer Einflussnahme auf diesen belegen oder nachweisen lässt, kann ich nicht sagen. Diesen Gedanken weitergedacht, wäre Yoga der Re-Import eines Runen-Übungssystems, das nun an seinen Ursprungsort zurückkommt. Auch wenn die offensichtlichen Unterschiede in den Formen groß sind, so haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass sich gerade Yoga-Praktizierende im Runen-Qi-Gong sehr schnell „heimisch“ fühlen und das Üben wie ein Nach-Hause-Kommen beschreiben. Es scheint also eine Verbindung zu existieren, der man in Zukunft etwas näher auf den Grund gehen sollte.
Also, ich denke schon, dass die Spekulationen um ein altes Runen-Übungssystem, das Einfluss auf weit entfernte Länder hatte, nicht von der Hand zu weisen sind.

Sven Henkler: Das Runen-Qi-Gong besticht durch seine Einfachheit, seine leichte und schnelle Erlernbarkeit – und ist dennoch sehr effektiv. Zurückzuführen ist dies wohl auch auf die Aneinanderreihung der einzelnen Runen, die ja nicht einer der vielen Runenreihen, den Futharks, entspricht. Wie kam es zu genau dieser Reihenfolge der Runen im Runen-Qi-Gong?

Die 24 Runen in der Reihenfolge des Runen-Qi-Gongs.

Norbert Paul: Die übliche Aufteilung der Runen in die drei sogenannten Äth, das sind drei Gruppen mit je acht Runen, ermöglicht eine klare Zuordnung zu den drei Bewusstseinsebenen Unterbewusstsein, Alltagsbewusstsein und Überbewusstsein, oder anders ausgedrückt Udgard, Midgard undAsgard. Doch dies sind nur theoretisch getrennte Ebenen, denn im wahren Leben sind sie mit- und ineinander verwoben. Aus diesem Grund macht aus meiner Sicht ein Übungssystem exakt nach den Äth keinen Sinn, denn es würde nicht dem wahren Leben entsprechen.
Neben der körperlichen Darstellung der Runen war es vor allem wichtig, die so entscheidenden fließenden Übergänge zwischen den Runen-Positionen oder besser gesagt Runen-Durchläufen hinzubekommen. Und genau an diesem Punkt scheiterte die „kopfgesteuerte“ Arbeit bei der Konzeption eines fließenden Übungssystems. Die ersten sechs bis acht Runen hatte ich schnell zusammen, doch dann wurde es schwierig – und zwar richtig schwierig. Durch reine Überlegungen kam ich nicht weiter, und mehr als einmal dachte ich, dass ich mir da zuviel vorgenommen hatte. Doch als Widder-Geborener bin ich recht hartnäckig, und so übte ich permanent mit den schon „gefundenen“ zusammenhängenden Runen-Folgen weiter. Mit der Zeit kamen dann mal eine Rune und mal zwei Runen auf einmal dazu. Und nicht nur das: In diesen Fällen war mir immer auch klar, an welche Stelle sie gehörten. So fand über einen Zeitraum von fast fünf Jahren jede Rune ihren eigenen Platz. Es kann also gesagt werden, dass das Runen-Qi-Gong durch die Runen nach und nach selbst geboren wurde. – In der endgültigen Form sind die Runen aus den verschiedenen Äth nun so miteinander verwoben wie im echten Leben auch die verschiedenen Ebenen einander durchdringen. Und genau das scheint zur Kraft dieses Übungssystems beizutragen.

Sven Henkler: Der den Runen eigene mystisch-magische Aspekt scheint also bei der Entstehung des Runen-Qi-Gongs eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Haben Sie diesen anfangs überhaupt berücksichtigt beziehungsweise wie stehen Sie zu diesem?

Norbert Paul: Ja, dieser mystisch-magische Aspekt zeigte sich bei der Entstehung des Runen-Qi-Gongs – doch eben nicht hinsichtlich der Vergangenheit und Geschichte der Runen. Gerade in der Phase, als sich bestimmte Runen zeigten, sie ihren jeweiligen Platz im Runen-Qi-Gong einnehmen wollten, wurde ganz deutlich, dass sie nicht mehr „die alten“ sein wollten. Sie hatten sich zuvor über die Jahrhunderte, in denen es still um sie war, weiterentwickelt und wollten nun der heutigen Zeitqualität entsprechend erkannt werden. Ihre Wurzeln mögen alt sein, doch ihre Kraft ist wandelbar und auch deshalb gegenwärtig, sie ist im Jetzt. Daher zeigt sich der echte mystisch-magische Aspekt dem Übenden dann am ehesten, wenn er den Kopf von den alten Vorstellungen und Definitionen der Runen freimacht und sich vorbehaltlos dem Spüren ihrer „neuen“ Form hingibt. Dann erst werden sie für ihn real und lebendig, und genau dann ist ein zeitgemäßes und wirkungsvolles Arbeiten mit ihnen möglich. Wenn das Ewiggestrige als Erfahrung und Lerninhalt nach hinten tritt, kann im Hier und Jetzt Neues entstehen.
Echte Mystik und Magie hat aus meiner Sicht und Erfahrung nichts mit romantisch-schwülstigen Formulierungen zu tun, sondern offenbart sich durch zeitgemäßes Tun im Kontext aktuellen Geschehens. Es gab also keine Wahlmöglichkeit, ob der mystisch-magische Aspekt berücksichtigt werden sollte oder nicht, er war und ist ein untrennbarer Teil des Wesens der Runen.

Sven Henkler: Wo kann das Runen-Qi-Gong erlernt werden?

Norbert Paul: Zunächst natürlich bei mir. Hierfür biete ich regelmäßig Workshops sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene an. Zudem gibt es Ausbildungen zum Runen-Qi-Gong-Lehrer, welche ihrerseits für die Verbreitung dieses Bewegungssystem sorgen. Hierfür suchen wir ständig aufgeschlossene Menschen.

Literaturhinweis:

Runen-Qi-Gong für Gesundheit und Lebensfreude

 

 

 

 Norbert Paul: Runen-Qi-Gong für Gesundheit und Lebensfreude
160 Seiten, ISBN 978-3-934291-63-8
Preis: 14,80 Euro (D)
Verlag Zeitenwende

Sven Henkler

Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung.
Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de):
- Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen)
- Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010)
- Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen)
- Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)
Sven Henkler

Letzte Artikel von Sven Henkler (Alle anzeigen)

Autor: Sven Henkler

Sven Henkler, Jahrgang 1975, ist als Verleger und freier Autor tätig. Sein Interesse gilt seit Jahren der Mythenforschung. Buchveröffentlichungen beim Verlag Zeitenwende (www.verlag-zeitenwende.de): - Die Zeit der Wiederkehr (1999, vergriffen) - Das Wilde Heer (1. Auflage 2000, erweiterte Neuauflage 2010) - Mythos Tier - Geschichte und Mythologie einer ewigen Verbindung (2001, vergriffen) - Urstoff Wasser - Mythisches Element des Lebens (2004, 2. Auflage 2006)

Kommentare sind deaktiviert.

zum Seitenanfang

Lesen Sie weiter:
Tod nach Zeckenimpfung?

1 E-Mail „Hallo Klaus, möchte Dir den kleinen Bericht im Anhang weiterleiten, wegen der Zeckenimpfung. Gestern um 8 Uhr bei...

Schließen